Gedenken an die Progrome von 1938Wir möchten auf folgende Gedenkveranstaltungen hinweisen: Die
Stiftung gegen Extremismus und Gewalt will der Heider Opfer des
Nationalsozialismus gedenken. Treffpunkt ist am 9. November 2009 um
16.30 Uhr in der Friedrichstr. 4 in Heide an den Stolpersteinen
für die Familie Stillschweig. Die Stiftung möchte die
Stolpersteine putzen und lädt alle Bürgerinnen und
Bürger dazu ein. Zur Erinnerung an die Pogromnacht in
Friedrichstadt lädt die Stadtarchivarin Christiane Thomsen am
10.11. um 15 Uhr zu einem Rundgang ein, bei dem an das Schicksal der
1938 hier lebenden jüdischen Familien erinnert werden soll.
Treffpunkt ist die "Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge",
Am Binnenhafen 17, die Teilnahme ist kostenlos. Carstensen Arm im Arm mit Neonazis
Schleswig-Holsteins
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) gibt sich gerne
bürgernah – auch und gerade am späten Abend einer Landtagswahl: Und
gerne lässt er sich dabei ablichten, wenn er mit den Menschen auf
Tuchfühlung geht. Doch diesmal hat sich der Ministerpräsident mit
seiner Bürgernähe gewiss keinen Gefallen getan: Ein Foto,
veröffentlicht in einem rechtsextremen Internetforum, zeigt Carstensen
im Kieler Landeshaus Seite an Seite mit aktiven Neonazis aus der Kieler
Szene. Um zwei von ihnen hat Carstensen den Arm gelegt, der Dritte mit
auffälliger Bürstenfrisur steht lachend daneben.
Stefan Schölermann, NDRInfo
Das Foto entstand offenbar am späteren
Wahlabend, denn Carstensen hatte seine Krawatte bereits abgelegt. Die
Rechtsextremisten hatten Carstensen offenbar unter einem Vorwand zu dem
Foto überredet. Im Internet feiern sie diesen „Coup“ in fehlerhaftem
Deutsch als „Nationaler Fototermin mit dem Ministerpräsident“. Offenbar
hatten weder Carstensen noch seine Personenschützer oder der
Sicherheitsdienst erkannt, wer da um ein gemeinsames Foto bat. Dabei sind mindestens zwei der Neonazis
in Kiel bei der Polizei bekannt. Seit einigen Monaten kommt es in der
Landeshauptstadt an der Kieler Förde immer wieder zu
Auseinandersetzungen zwischen linker und rechter Szene. Mindestens
einer der Abgelichteten soll dabei eine aktive Rolle spielen.
Carstensen gibt sich ungerührt. In
einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme lässt der CDU- Politiker
wissen, dass ihm persönliche und auch spontane Begegnungen mit den
Menschen wichtig seien: „Von dieser Haltung werde ich mich auch in
Zukunft nicht abbringen lassen – auch nicht durch Täuschungen und dumme
Propagandatricks aus der rechtsextremen Ecke.“
Doch es bleiben Fragen: Wie konnte es
den Neonazis an diesem Abend überhaupt gelingen, in den Landtag
hineinzukommen. Zugang hatten außer den Abgeordneten und deren
geladenen Gästen nur die Medien. Im Internet rühmen sich die Neonazis,
dass sie am Wahlabend unerkannt alle Fraktionsräume besucht hätten.
Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Martin Kayenburg räumt ein, dass
im Trubel eines Wahlabends auch der ein oder andere unerwünschte Gast
durch die Schleusen der Sicherheitskontrollen geschlüpft sein könnte. Ein Sicherheitsproblem, vor allem für
prominentere Politiker, sieht man in der Landtagsverwaltung aber nicht
und verweist auf die Personenschützer der Politiker. Zugleich kündigte
Kayenburg eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen an, die – wenn
nötig – angepasst werden müssten. “Es darf nicht sein, dass erklärte
Feinde der Demokratie das offene und besucherfreundliche Landeshaus für
ihre menschenverachtenden Zwecke missbrauchen“, sagte Kayenburg.
Zumindest an diesem Wahlabend waren die Kieler Neonazis dabei nicht
ohne Erfolg.
Der Pirat aus dem “Störtebekernetz”Ein
ehemaliger Kameradschaftskader aus Sachsen ist seit kurzem Mitglied der
Piratenpartei in Niedersachsen. Die Partei agierte bisher nicht gerade
glücklich im Umgang mit Rechtsextremismus. Der Landesverband
Niedersachsen muss sich jetzt unangenehmen Fragen stellen lassen. Wie
ist es zu bewerten, wenn sich ein ehemaliger Kameradschaftskader der
Partei anschließt? Wie ist damit umzugehen, wenn er
Parteiveranstaltungen besucht?
Von Martin Hünemann, zuerst veröffentlicht bei Mut gegen rechte Gewalt “Udo Hempel ist ein sehr aktiver
Pirat”, sagt Christian Koch, Landesvorsitzender der Piratenpartei in
Niedersachsen. Hempel hat an Plakataktionen und Infotischen
mitgearbeitet – so, wie es sich eine Partei von einem vorbildlichen
Mitglied wünscht. Allerdings war Udo Hempel vor nicht allzu langer Zeit
politisch noch anderweitig zu Hause. Es handelt sich nämlich um
denselben Udo Hempel, der bis vor fünf Jahren ein führender Kopf der
sächsischen Neonaziszene war und auch dem Verfassungsschutz bekannt war. Gestern Kamerad – Heute Pirat In einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ im August 2004 wird Hempel als Anführer der Kameradschaft „Organisation dianoetisch-alternativer Lebensauffassung“ (O.D.A.L.) genannt. Die dianoetische Lebensauffassung geht bis auf Aristoteles zurück und wurde in jüngerer Zeit von rechten Esoterikern aufgegriffen. In der Abkürzung nimmt die Kameradschaft auf die Odal-Rune
Bezug. Die Rune germanischen Ursprungs, wird immer wieder von Alt- und
Neonazis benutzt und diente auch einer SS-Einheit im zweiten Weltkrieg
als Erkennungszeichen. In Zusammenhang mit dem Kameradschaftsspektrum
wird Hempel 2003 auf altermedia (früher
auch Störtebekernetz), einem Nachrichtenportal der Neonazis, im Rahmen
einer Kameradschaftsmahnwache erwähnt – zusammen mit Mario Matthes,
einem vorbestraften Neonazi aus Rheinland-Pfalz, der aufgrund eines
Übergriffs der Uni verwiesen wurde. aufgegriffen. Zu diesem Zeitpunkt hat Hempel schon eine beachtliche
Szenekarriere hinter sich. In den Neunzigern war der
heute 33-jährige Hempel bereits Vorsitzender des Jungen Nationalen Spektrums dem Jugendverband des Nationalen e.V.
(JNS). Der Nationalen e.V. löste sich 1997 auf, wahrscheinlich um
einem Verbot zuvorzukommen. 2001 wurde Hempel namentlich im Verfassungschutzbericht
des Landes Brandenburg erwähnt. Demnach versuchte er zusammen mit
anderen Kameradschaftskadern, das JNS wiederzubeleben. Dem Bericht
zufolge war das wieder gegründete Netzwerk, ein „strukturarmes
Sammelbecken für neonazistische Kameradschaften und Kleingruppen“. Das
JNS organisierte Demonstrationen und gab eine eigene Zeitschrift
heraus. Nach Informationen des Kulturbüros Sachsens war Hempel darüber hinaus in der Kameradschaft „Schlesische Jungs“ organisiert. Auffällig an Hempel sei sein
pragmatisches Auftreten gewesen. Er habe zu jenen Kameradschaftlern
gehört, die „ordentlich angezogen sind, den Gauwinkel
‚Schlesien’ auf dem Ärmel tragen und die nach Schmierereien das
Bushäuschen neu streichen.“ Nach Informationen der Opferhilfe Amal in
Sachsen beteiligten sich die „Schlesischen Jungs“ neben Demonstrationen
auch an gewalttätigen Übergriffen auf alternative Jugendliche. Seit
circa fünf Jahren hat man von Udo Hempel allerdings nichts mehr gehört. Piraten: „Jeder hat das Recht sich zu ändern“ Dem Landesvorsitzenden der Piraten,
Christian Koch, ist die Sache seit anderthalb Wochen bekannt. Daraufhin
habe es ein klärendes Gespräch gegeben. Udo Hempel habe nichts gesagt
oder unternommen, um in eine Funktion innerhalb der Partei zu kommen.
Auch ansonsten sei er völlig unauffällig. Insofern gebe es von Seiten
der Piratenpartei keine Bedenken. Hätte sich herausgestellt, dass
Hempel ein aktiver Neonazi sei, wäre „selbstverständlich“ ein
Parteiausschlussverfahren eingeleitet worden. Vor allem hebt der
Landesvorsitzende hervor: „Jeder hat das Recht sich zu ändern.“ Diese Wandlung zieht ein Mitarbeiter
des Kulturbüros Sachsens in Zweifel, in Anbetracht der tiefen
Verwurzelung Hempels sei an „eine grundlegende Wendung nicht zu
glauben.“ Vielmehr sei wahrscheinlich, dass Hempel in den Forderungen
der Piraten ein neues gesellschaftliches Ordnungsprinzip jenseits der
parlamentarischen Demokratie sehe, wie es auch von Kameradschaftlern
angestrebt wird. In einer Stellungnahme Hempels, die
über den E-Mailverteiler der Piraten in Niedersachsen ging und die MUT
vorliegt, gibt Hempel zu, dass er „bis 2003 in der rechten Szene
verwurzelt war“. Er schreibt weiter, er habe sich resozialisiert, er
müsse nicht demokratisiert werden, das habe er ganz allein geschafft.
Andere Äußerungen, wie dass er „nie ein Rassist oder Ausländerfeind
war“, erscheinen allerdings zweifelhaft, ging doch die eingangs
genannte Mahnwache mit Mario Matthes unter anderem gegen den
„ungezügelten Zustrom von Volksfremden“. Es gibt Zweifel an der Wandlung, die
Hempel behauptet gemacht zu haben und Widersprüche zwischen konkretem
Handeln in der Vergangenheit und seinem Statement auf dem
E-Mailverteiler in der Gegenwart. Der Vorstand der Piraten hat sich
jedoch dafür entschieden, Hempel bei den Piraten eine zweite Chance zu
geben. Die Befürchtung, dass sich antidemokratische Personen in der
Partei etablieren könnten, hält der Landesvorsitzende für unbegründet:
„Wir sind in unserer Struktur so gefestigt, dass die Alarmglocken
natürlich schrillen, wenn jemand extremistische Tendenzen zeigt.“ Wie
schwer der Partei der Umgang mit Demokratiefeinden trotz „gefestigter
Strukturen“ mitunter fällt, zeigte die Auseinandersetzung um den Holocaust-Leugner Bodo Thiesen. NPD bei Landtagswahl halbiertDie
extrem rechte NPD erzielte bei der Landtagswahl in
Schleswig-Holstein 0,9 Prozent (14.977 Zweitstimmen) und wurde
gegenüber 2005 (27.676 Stimmen = 1,9 Prozent) halbiert.
Auch in
Dithmarschen verloren die Neonazis die Hälfte ihrer
Wähler_innen: In Dithmarschen-Süd wählten
480 Menschen
die NPD, was gegenüber 2005 (741
Zweitstimmen = 2,1 Prozent) ein Verlust von 0,8
Prozent bedeutet. Noch stärker verlor die
NPD in Dithmarschen-Nord: Sie erhielt nur noch 323 Zweitstimmen (0,9
Prozent) und halbierte ihr Ergebnis von 2005, das bei 740 Stimmen (2,1
Prozent) lag. Besonders erfreulich ist, dass die NPD bei der
Landtagswahl die für die Wahlkampfkostenerstattung wichtige
Grenze von 1 Prozent verfehlt hat. Bei der Bundestagswahl kam die NPD in
Schleswig-Holstein wie 2005 auf 1,0 Prozent. Sie konnte dieses Ergebnis
aber nur halten, weil die Wahlbeteiligung zurückging. 15.848
Schleswig-Holsteiner_innen wählten bei der Bundestagwahl die
NPD
gegenüber 17.061 bei der letzten Wahl. Die DVU bekam 1.764
Stimmen, was 0,1 Prozent entspricht. Analyse der Bundestagswahl in Blick nach Rechts
Demonstration gegen Neonazitreff
"Club 88"
Die rund 400 Teilnehmer seien am Nachmittag zu ihrem
Demonstrationszug gestartet, teilte ein Polizeisprecher mit. Der
Auftakt sei friedlich verlaufen. Vor der Bundes- und Landtagswahl
wollten die Organisatoren auch ein Zeichen gegen die Wahl der NPD und
anderer rechtsextremer Parteien setzen, wie der Verdi-Bezirk
Südholstein mitteilte.
Aus
dem Demonstrationsaufruf: "Der Club
“Heil Hitler” steht seit 13 Jahren völlig
ungestört gegenüber einer Schule mitten in einem
Wohngebiet,
als wäre dies das Normalste der Welt
und als hätte es die in der NS-Zeit verübten
Verbrechen
nie gegeben. Das Ergebnis aus 13 Jahren Club 88 kann man sich mit einem
Blick auf die Verhältnisse heute in Neumünster
ansehen.
Neumünster verfügt wie kaum eine andere Stadt in
Schleswig-Holstein sowohl über eine organisierte Naziszene als
auch über eine rechtsextreme
“Alltagskultur”. In Neumünster brauchen
Nazis nicht
erst über Infotische, Aufmärsche oder dergleichen
versuchen, Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft
zu finden, sie sind längst da, in einigen Sportvereinen, in
Kneipen, auf Stadtfesten etc."
NPD-Stand in
Heide verhindert Die
NPD hatte für den 15. August einen Infostand auf dem
Marktplatz in Heide
angemeldet, um ihre menschenverachtende Propaganda zu verbreiten, aber
die NPD kam nicht. Stattdessen setzten viele
Menschen auf dem Rondell ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und
freuten sich darüber, dass der NPD-Stand verhindert werden
konnte. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!
Flugblatt
über den NPD-Bezirksvorsitzenden Ingo Stawitz (PDF, 28 kB) Material über die NPD
Gefährliche
VerbindungDer militante Ex-NPD-Kader Peter Borchert scheint
an einer Karriere im kriminellen Rockermilieu zu basteln.
Ab
Freitag muss sich der 33-jährige Ralf D. vor Gericht
verantworten.
Der mutmaßliche Neonazi aus dem Umfeld des
Ex-NPD-Landesvorsitzenden Peter Borchert ist wegen
gefährlicher
Körperverletzung angeklagt. Im März 2007 soll der
Beschuldigte den Hells Angel Dennis K. mit einem Messer attackiert und
lebensgefährlich verletzt haben.
Ursprünglich
sollte
das Verfahren schon im August 2008 eröffnet werden. Doch vor
Beginn des Prozesses lieferten sich etwa 30 Neonazis und Hells Angels
vor dem Amtsgericht eine wüste Massenschlägerei. Am
Ende gab
es zwei Schwerverletzte. Der ehemalige NPD-Landesvorsitzende Peter
Borchert soll mit einem Messer auf die späteren Opfer,
darunter
wieder Dennis K., den nur eine Notoperation das Leben rettete,
losgegangen sein.
Im Februar 2009 musste sich
Borchert, der nun
eine Gruppe „Autonomer Nationalisten“
anführt und
über eine fast 10-jährige Gefängniskarriere
zurückblickt, wegen dieses Delikts vor dem Kieler Landgericht
verantworten. Einen Tag vor Prozessbeginn hatte sich Borchert mit
seiner damaligen Freundin verlobt, diese berief sich daraufhin auf ihr
Zeugnisverweigerungsrecht. Da auch die anderen Zeugen schwiegen, wurde
Borchert aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Allerdings hat die
Staatsanwaltschaft Revision eingelegt.
Derweil
scheint der wegen
verschiedener Delikte bereits mehrfach verurteilte Ex-NPD-Kader an
einer neuen Karriere im kriminellen Rockermilieu zu basteln.
Ausgerechnet in Schleswig-Holstein, welches bislang von den Hells
Angels als ihr Stammland betrachtet wird und andere Rockergruppen nicht
geduldet werden, gilt Borchert als zentrale Figur bei der Expansion des
MC Bandidos und seiner Supporterclubs.
Offiziell
geben sich die
so genannten Outlaw Motorcycle Gangs wie Hells Angel MC, Gremium MC und
Bandidos MC unpolitisch. Verbindungen zur rechtsextremen Szene werden
unter Verweis auf ihre internationalen Verbindung stets bestritten.
Eine Einschätzung, die vom Landeskriminalamt
Mecklenburg-Vorpommern nicht geteilt wird. Ein Sprecher der
Behörde teilt mit: „Sowohl in MV als auch in den
anderen
Bundesländern ist bekannt, dass einzelne Mitglieder der
Rockergruppierungen Kontakte zur rechtsextremen Szene unterhalten
beziehungsweise mit dieser sympathisieren.“ Als am 12. August
in
Neumünster etwa 50 Rocker der verfeindeten Supporterclubs von
Bandidos und Hells Angel aufeinandertrafen, zeigte sich auch der
ehemalige NPD-Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein Peter Borchert
erstmals in der Kutte der Chicanos Neumünster, dem
örtlichen
Supporterclub des Bandidos MC.
Bei der Begegnung der
beiden
Rockergangs sammelten die herbeigerufenen Polizeibeamten diverse
Waffen, wie Messer, Baseballschläger, Teleskopschlagstock und
Pfefferspray ein.
Bundesweit befehden sich die
Outlaw Motorcycle
Gangs im Kampf um ihre Herrschaftsgebiete. Die Mitglieder der beiden
international agierenden und verfeindeten Motorradclubs
„begehen
im Bundesgebiet Straftaten, die teilweise auch der Organisierten
Kriminalität zuzuordnen sind“, teilt der Sprecher
des
Landeskriminalamtes (LKA) mit. Waffen-, Drogen-, Menschenhandel und
Prostitution sind die illegalen, Bars, Tattoo-Studios und
Sicherheitsdienste die legalen Geschäftsfelder der
Rockerbanden.
Wie bei der Mafia, bei den Motorradclubs herrscht eine Art
Omertà, das Gesetz des Schweigens. Streitigkeiten um
Gebietsansprüche, die Vorherrschaft im Milieu regelt man nach
dem
Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Wenn einfache
Drohgebärden nicht mehr ausreichen, wird es brutal. Die
Palette
der Gewalttaten reicht dann von Überfällen, dem
Einsatz von
Sprengstoffen, wie jüngst im brandenburgischen Eberswalde,
schweren Körperverletzungen bis hin zum Mord.
Dank
Borchert
haben sich die wiederholten Beteuerungen des Bandidos MC und seiner
Supporterclubs, sie seien unpolitisch und schon gar nicht rechtsextrem,
als Fabel herausgestellt.
(Quelle: Thomas
Niehoff www.bnr.de)
Argumentationshilfe
gegen neue NPD-Schulhof-CD
Mit
großen Worten verbreitet die NPD seit rund 14 Tagen die
Meldung, eine
neue “Schulhof-CD” sei da und würde
derzeit im Wahlkampf an Jugendliche
verteilt. Die CD trägt den programmatischen Titel
“BRD vs.
Deutschland”. Die NPD versucht, dieses Mal in Zusammenarbeit
mit den
neonazistischen “Freien Kräften”, mit
dieser neuen “Schulhof-CD” sowohl
Aufmerksamkeit in den Medien zu erringen als auch junge Menschen
für
ihren antidemokratischen Kampf zu gewinnen.
“Aus
unserer Perspektive muss auf das Auftauchen dieser neuen
“Schulhof-CD” reagiert werden”, schreiben
Martin Langebach, Jan Raabe
und David Begrich von “Argumente & Kultur gegen
Rechts e.V.”.
Totschweigen oder beschlagnahmen seien keine geeigneten Reaktionen, es
sollte besonnen und mit Bedacht reagiert werden. Als den besten Weg
empfinden die Autoren einer lesenswerten Broschüre, den
politischen
Kerngehalt dessen, was die NPD & die “Freien
Kräfte” auf dem
Tonträger präsentieren, zu analysieren und in Bezug
zu setzen zu ihrer
antidemokratischen und damit auch verfassungsfeindlichen
Weltanschauung.
Die Analyse haben die Autoren in einer
Argumentationshilfe
kostenlos
im Format eines pdf zur Verfügung gestellt. Darin werden
Analysen zu
den Liedtexten geliefert. “Ferner finden Sie darin
Informationen zu den
Bands und Musikern. Im Anhang wurden alle Texte des Tonträgers
samt des
Begleitheftes dokumentiert, so dass Sie sich auch selbst kritisch mit
diesem Propagandamedium auseinandersetzen können”,
schreiben die
Autoren.
Download:
handreichung_gegen_npd_schulhof_cd_2009
Thomas
WulffDer norddeutsche Neonazi
Thomas Wulff,
NPD-Bundestagskandidat in Schleswig-Holstein, ist seit rund 30 Jahren
in der Szene verankert. Sechs
Bewerber hat der Kreiswahlausschuss der Hansestadt Lübeck
für die
Bundestagswahl am 27. September dieses Jahres zugelassen. Zu ihnen
zählt auch der norddeutsche Neonazi Thomas Wulff. Der mehrfach
verurteilte Wulff gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten
Neonazis
der Bundesrepublik.
Wulff war Eigenangaben zufolge 1978 zu „politisch
organisierten
Kameradenkreisen“ aus dem Spektrum der
„Aktionsfront Nationaler
Sozialisten/Nationale Aktivisten“ (ANS/NA) und der NSDAP/AO
gestoßen.
Den Schritt in die politisch organisierte Bewegung machte Wulff nach
einem persönlichen Kennenlernen des damaligen
Neonazi-Führers Michael
Kühnen 1982. Kühnen, so Wulff,
„überzeugte mich davon, dass es wichtig
war, wieder eine Organisation zu schaffen, die ganz deutlich
für die
Ideale und Ziele unserer Weltanschauung eintrat.“ In den 80er
Jahren
gehörte Wulff als Bundesvorstandsmitglied der 1995 verbotenen
Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) an. Im Mai 1986 hielt er
sich besuchsweise in der DDR auf, der „Führungskader
der FAP“, so ein
Eintrag in einer Akte des Ministeriums für
Staatssicherheit“, war „in
uniformähnlicher Bekleidung“ aufgetreten. Jedoch
ergaben die
eingeleiteten Kontrollmaßnahmen, so hieß es in der
Akte, „keine Anhalte
auf feindliche Aktivitäten“.
1989 rief Wulff mit seinem damaligen engen Vertrauten
Christian
Worch in Hamburg die „Nationale Liste“ (NL) ins
Leben. Die „Partei des
neuen Nationalismus“ hatte den Kampf gegen die
„Überfremdung unseres
Vaterlandes“ und die „irrigen Versuche der
‘Ausländerintegration’“ auf
ihre Fahnen geschrieben. Die „Nationale Liste“wurde
1995 verboten. Als
Reaktion auf die durch zahlreiche Vereinsverbote seit 1992
„heimatlos“
gewordenen Neonazi-Kräfte setzte Wulff gemeinsam mit Worch ein
Konzept
um, das die Vernetzung der Neonazi-Szene in einem Geflecht scheinbar
strukturloser „Kameradschaften“ vorsah. Dem Konzept
gab Wulff den Namen
„Freie Nationalisten“ – mit dem Symbol
der schwarzen Fahne. In der
Neonazi-Zeitschrift „Zentralorgan“ wurde dazu
ausgeführt: „Ein freier
Nationalist ist ein Kamerad oder eine Kameradin, welche/r sich zu
allererst dem Volke und der Nation verpflichtet fühlt.
Für mich
bedeutet dies, dass ich immer wieder versuche, trotz aller
Spaltungsversuche und Abgrenzungsbeschlüsse innerhalb der
nationalen
Opposition, das gemeinschaftliche Handeln in den Vordergrund zu
stellen.“ Mit einem gemeinsamen Aufruf mit der NPD zu einer
Kundgebung
Ende des Jahres 2003 wurde Wulff zum Wegbereiter neuer Beziehungen
zwischen Freien Nationalisten und der NPD.
Im September 2004 trat Wulff gemeinsam mit den Neonazis
Thorsten
Heise und Ralph Tegethoff der NPD bei. In ihrer Begründung
erklärten
die Neonazis, seitens der NPD sei der Wille zu spüren gewesen,
„sich
als Partei deutlich in das Gesamtgefüge einer Bewegung des
Widerstandes
einzufügen“. Bereits im Folgemonat Oktober wurde
Wulff in den
Bundesvorstand der NPD gewählt und avancierte zum
persönlichen
Referenten des NPD-Parteivorsitzenden. Im Mai 2008 schied Wulff
vorübergehend aus dem NPD-Bundesvorstand aus, dem er seit
April 2009
wieder angehört.
Bundesweite Schlagzeilen lieferte Wulff bei der Beisetzung des
Altnazis Friedhelm Busse am 26. Juli in Passau 2008. Im Beisein des
NPD-Vorsitzenden Udo Voigt legte Wulff auf dem bereits abgesenkten Sarg
Busses eine Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz aus. Bei dem damaligen
Bündnispartner der NPD wurde das offenkundig nicht gern
gesehen.
Gerhard Frey, der langjährige frühere
DVU-Bundesvorsitzende,
kritisierte Wulffs Aktion in der „National-Zeitung“
folgendermaßen:
„Dass jede Form oder auch Andeutung von Neonazismus der
antideutschen
Meinungsindustrie willkommen ist, wird kaum jemand bezweifeln, der die
Polemik fast aller Massenmedien verfolgt. Umso
unverständlicher ist es,
wenn es immer wieder Deutsche gibt, die durch Andeutung von Neonazismus
oder dessen Symbolen genau das darstellen, worauf das antideutsche
Lager der ‘westlichen Wertegemeinschaft’ so
sehnlich wartet und wofür
Tausende Agenten eingesetzt werden.“ Frey
abschließend: „Jeder Patriot
sollte sich ... wehren, was in Richtung Nazismus und Neonazismus
führen
könnte. Abertausende V-Leute der Geheimdienste betreiben
dieses
schmutzige Geschäft. Aber kein aufrechter Deutscher darf sich
daran
beteiligen.“ Dieser Artikel ist erschienen
in : Blick nach Rechts Ausgabe
16/2009
Flaute
beim Sommerfest der NPDDie
NPD in Schleswig-Holstein scheint vor sich hinzudümpeln. Zur
Landtagswahl am 27. September werden noch
Unterstützungsunterschriften benötigt, der
Wahlparteitag hat
noch nicht stattgefunden.
Bereits zum vierten Mal
feierte die
NPD in Schleswig-Holstein ihr Sommerfest ungestört auf einer
Weide
am Ortsrand von Wentorf im Landkreis Rendsburg-Eckernförde.
Eigens
dafür waren am letzten Samstag (8. August) mit einem
weißen LKW
Sonnenschirme, Holzbänke und zahlreiche Getränke mit
Kisten
angekarrt worden. Ein Grill wurde aufgebaut. An der Einfahrt zur Wiese,
die einem älteren Sympathisanten gehören soll,
standen
Dixi-Toiletten. Von der Straße ist der Feierplatz kaum
einsehbar,
nur hundert Meter dahinter erstreckt sich das unwegsame Ufer des
Wittensees.
Die NPD-Organisatoren um Jörn
Lemke,
Kreisvorsitzender aus Lübeck und Hermann Gutsche, Stadtrat in
Kiel, rechneten wie in den vergangenen Jahren mit einer
größeren Schar von Gästen aus dem gesamten
Bundesland.
Sie wurden enttäuscht. Aufgrund von zahlreichen anderen
Veranstaltungen wie den „Wikinger-Tagen“ in
Schleswig,
einem Stau auf der Autobahn Richtung Flensburg, sowie dem kurzfristig
anberaumten Doppelwahlkampf nahmen sich weniger Kameraden als erwartet
die Zeit zum Feiern in dem entlegenen Dorf.
Die NPD
scheint in
Schleswig-Holstein vor sich hin zu dümpeln. Die Freien
Nationalisten bauen unterdessen ihren Einfluss aus. Bei der letzten
Landtagswahl erzielte die Partei rund 1,9 Prozent der Stimmen, nur zwei
Mandatsträger in Kiel und in Lauenburg fördern die
kommunalpolitische Verankerung. Mit einem Zugpferd wie Thomas Wulff
erhoffte sich die Spitze im Vorfeld der Doppelwahlen im Herbst neue
Zugkraft. Doch auch Wulff war bis zur Feiereröffnung am
Nachmittag
nicht erschienen. Wulff, der im Norden immer noch als Integrationsfigur
zwischen Parteien und Kameradschaften gilt, lebt ursprünglich
im
Landkreis Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern, doch inzwischen soll er
zeitweilig auch im Kreis Herzogtum Lauenburg bei einem NPDler
ansässig sein.
Gegen drei Uhr trudelten
noch einige
jüngere Neonazis mit ihren Freundinnen ein. Ein paar
ältere
Gäste saßen bereits ungeduldig unter den
Zeltpavillons. An
einem der Tische wurde Szene-Kleidung angeboten. EDV-Berater Gutsche
saß an einem anderen Tisch und sammelte Geld und Listen ein.
Ein
lauter Generator versorgte die NPD-ler mit Strom.
Gegen
halb
vier Uhr begnügten sich die Organisatoren mit einer kurzen
Eröffnungsrede, die sich vor allem mit der Dringlichkeit der
nötigen Unterschriftenlisten zur Landtagswahl am 27. September
befasste. Eher fröhlich wurde auch eine Tombola
angekündigt.
Die Feierrunde fühlte sich völlig ungestört.
Einige
Glatzköpfe trugen Shirts mit Aufschriften wie
„88“,
„Störkraft“ oder ein
„Lunikoff“-Shirt. Auf
dem Pullover einer jungen Frau mit kurzen blonden Haaren prangte eine
Irminsul. Unter den Gästen waren auch Jens Lütke, der
bereits
als Spitzenkandidat für die Landtagswahl genannt wurde, obwohl
bisher noch kein Wahlparteitag stattgefunden hat, sowie Elfriede
Parlow, ehemalige Kandidatin aus Ostholstein.
In den
Jahren
zuvor gehörten Musik von nationalen Liedermachern oder
Tauziehen
zum Programm. Man feierte bis in die Nacht. Diesmal war nach
Polizeiangaben um 19.30 Uhr Schluss. „Aus polizeilicher Sicht
gab
es keine Beanstandungen“, bestätigt der
Pressesprecher der
Polizei in Neumünster.
Musik hätte
in diesem Jahr auch
wenig Sinn gemacht: Ein Mähdrescher verrichtete laut und Staub
aufwirbelnd am angrenzenden Feld seine Arbeit. Einige Bewohner aus der
Region freuten sich darüber, ihnen passt das
alljährliche
Erscheinen der NPD ohnehin nicht. Doch mit dem Eigentümer der
Weide sei nicht zu reden, berichten sie vorsichtig. Eine Frau aus
Bünsdorf setzt schelmisch nach: „Eigentlich
hätten die
Landwirte heute Gülle ausfahren sollen“. (Quelle:
Andrea
Röpke/Andreas Speit www.bnr.de)
Neonazi
aus Meldorf wegen Ebay-Betruges verurteiltWegen
Ebay-Betrugs in sechs Fällen hat Dr. Jörn Harder
jetzt vor
dem Amtsgericht Meldorf den 23-jährigen Meldorfer Heiko H.*
(Name
geändert) verurteilt. Mit einbezogen hat er eine
Vorverurteilung
vom 3. Februar (da hatte Harder ihn wegen uneidlicher Falschaussage
begangen in Tateinheit mit versuchter Strafvereitelung zu sechs Monaten
auf Bewährung verurteilt).
Verurteilt
worden ist der junge
Mann, der zur Tatzeit noch in Wesselburen lebte, zu elf Monaten
Freiheitsstrafe, die das Gericht auf diesmal vier Jahre zur
Bewährung aussetzte. Der bereits mehrfach vorbestrafte und der
rechten Szene zuzuordnende Heiko H. muss sich zudem auch weiterhin
seiner Bewährungshelferin unterstellen. Zudem muss er den
sechs
von ihm geschädigten Ebay-Kunden mit fünf Euro
monatlich pro
Opfer den jeweils erlittenen Schaden regulieren. Mehr geht nicht, denn
Heiko H. lebt von Hartz IV, hat rund 40 000 Euro Schulden und muss noch
aus anderen Urteilen Schadenswiedergutmachung leisten. H. nahm das
Urteil sofort an, womit es rechtskräftig ist.
Zu
den Taten:
Unter dem Pseudonym „14XXXX88“ (*geändert)
verkaufte
der zur Tatzeit 14./15. Oktober 2008 noch in Wesselburen lebende Heiko
H. über Ebay Spielekonsolen und Handys für zusammen
rund 1200
Euro. Das Geld kassierte und behielt es. Die nervös werdenden
Kunden hielt er noch eine Zeit lang telefonisch hin. Dann
hörten
die nichts mehr von ihm. Ware oder Geld zurück haben sie bis
heute
nicht erhalten. „Ja, habe ich so gemacht“,
bestätigte
H. den Anklagevorwurf. „Wofür steht denn 88 hinter
14XXXX“, wollte Richter Dr. Harder noch vom Angeklagten
wissen,
obwohl es ihm längst klar war, das 88 in Neonazikreisen
für
„Heil Hitler“ steht, ist doch das H der achte
Buchstabe im
Alphabet. Heiko H. sagte auf Dr. Harders spitze Frage nur:
„Das
möchte ich jetzt hier nicht so erörtern.“
Durch
das Geständnis blieb dem Gericht erspart, die Akte auf
monatelange
Deutschlandreise zu schicken, um durch Richter an den Heimatorten der
Opfer deren Zeugenaussagen einzuholen. (Quelle: Dithmarscher
Landeszeitung vom 31.07.2009)
Kieler
Neonazis als kriminelle Vereinigung eingestuft»Autonome
Nationalisten«, die der »Aktionsgruppe
Kiel«
angehören, treten in der Stadt immer wieder
öffentlich in
Erscheinung und greifen dabei häufig zur Gewalt. Auch an
anderen
Orten in Schleswig-Holstein schließen sich Nazis zu
»Aktionsgruppen« zusammen.
An
einem Samstag Ende Mai
versammelten sich gegen Mittag acht schwarz gekleidete Nazis am Kieler
Hauptbahnhof. Sie hatten eine Kundgebung in der Innenstadt angemeldet
und warteten auf weitere Kameradinnen und Kameraden. Antifaschistische
Initiativen aus Kiel hatten wenige Tage zuvor von den Plänen
der
Nazis erfahren und Proteste angekündigt, etwa 100
Antifaschistinnen und Antifaschisten befanden sich am vorgesehenen
Kundgebungsort in der Innenstadt.
Doch zu den
Personen am
Bahnhof, größtenteils Angehörige der so
genannten
Aktionsgruppe Kiel (AG Kiel), gesellten sich keine weiteren Nazis.
Stattdessen fingen einige von ihnen an, ein paar junge Antifas
anzugreifen, die sich in der Nähe aufhielten. Es kam zu
regelrechten Jagdszenen, die Polizei schien überfordert zu
sein.
Kurze Zeit später teilte die Polizei schließlich den
noch
anwesenden Antifas mit, dass die Nazis ihre Veranstaltung wegen einer
zu geringen Teilnehmerzahl abgesagt hätten.
Es
war nicht
das erste Mal in diesem Jahr, dass es in der Kieler Innenstadt zu
solchen Vorfällen kam. »So etwas erleben wir hier im
Moment
ständig«, sagt Julia S.* von der Autonomen
Antifa-Koordination Kiel. »Die Nazis haben teilweise
täglich
in der Fußgängerzone Flyer verteilt, wobei es auch
mehrmals
zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und
Antifas kam.«
Anfang des Jahres wurden
zehn
mutmaßliche Mitglieder und Sympathisanten der AG Kiel an
ihren
Wohnorten und Arbeitsplätzen von Antifaschistinnen und
Antifaschisten öffentlich als Nazis geoutet. Kurz danach
veröffentlichte die AG ein Pamphlet, in dem sie Kiel zur
»Frontstadt« ausrief. Der Text schließt
mit den
Worten: »Die Aktionsgruppe Kiel ruft alle
Nationalisten aus
der Landeshauptstadt und Umgebung dazu auf, sich zu organisieren und
auch unabhängig als Werwolfeinheiten zu agieren!«
Seitdem
versuchen Neonazis regelmäßig, mit
öffentlichen
Aktionen wie etwa kleinen Kundgebungen in der Kieler Innenstadt in
Erscheinung zu treten.
Bei diesen Gelegenheiten
greifen die
Kieler Nazis immer wieder zu Gewalt. Nachdem die Polizei im April etwa
40 Nazis eine geplante Kundgebung im migrantisch geprägten
Stadtteil Gaarden untersagt hatte, weil sich mehrere hundert
Gegendemonstranten eingefunden hatten, versuchten die Rechtsextremen,
zu einem Informationsstand des »Runden Tisches gegen
Rassismus
und Faschismus« in der Fußgängerzone zu
gelangen. Es
kam zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und Antifas.
Zudem schlugen einige Nazis einen Balletttänzer des Kieler
Opernhauses brutal nieder, der sich zufällig am Ort des
Geschehens
aufhielt. Der Mann erlitt einen doppelten Schädelbasisbruch.
Doch
bei solchen öffentlichen Auftritten der Nazis bleibt es nicht.
Die
Fensterscheiben der Druckerei des Kulturprojektes
»Hansastraße 48« wurden allein in diesem
Jahr bereits
zwei Mal eingeschlagen, ein alternatives Wohnprojekt im Kieler
Stadtteil Wik wurde schon mehrfach Ziel nächtlicher Besuche
von
Nazis. An einem Abend im Mai bauten sich etwa zehn bewaffnete
Rechtsextreme vor dem Eingang des Hauses auf und bedrohten
Gäste einer dort stattfindenden Party, eine Woche
später
wurde ein Stein durch ein Fenster in eine Wohnung des Projekts
geschleudert. Die Bewohnerin Katja S.* äußert sich
besorgt:
»Offensichtlich genügt schon unsere etwas
ungewöhnliche
Wohnform, um ins Visier dieser Leute zu geraten. Aus heiterem Himmel
wurden bereits im April 2008 abends Scheiben bei uns eingeschmissen.
Anschließend brüstete sich die faschistische
›Aktionsgruppe Kiel‹ im Internet mit der
Tat.«
Lange
Zeit war die Kieler Naziszene geprägt von einem
NPD-Kreisverband,
der sich bieder-bürgerlich gab. Im Jahr 2008 erreichten jedoch
die
Aktionsformen der »Autonomen Nationalisten« (AN)
die
schleswig-holsteinische Landeshauptstadt. Nazis aus diesem Spektrum
organisierten sich dann in der AG Kiel. Die Gruppe machte schnell mit
Aktionen auf sich aufmerksam. Im April wurden innerhalb einer Woche bei
mehreren linken und alternativen Projekten in Kiel, wie z.B. der
Hansastraße 48, dem Buchladen Zapata und dem besagten
Wohnprojekt
in der Wik, Scheiben eingeworfen. Die Nazis berichteten
darüber
amüsiert im Internet.
Die teilweise noch
sehr jungen
Mitglieder der AN unterstützten auch den Kommunalwahlkampf der
NPD
im Mai 2008. Zwischen dem örtlichen Kreisverband der NPD und
den
AN besteht ein enges Verhältnis, das Vorgehen wird
abgesprochen,
es gibt personelle Überschneidungen. Bekannte NPD-Mitglieder
wie
Peter von der Born nehmen an Aktionen der AG Kiel teil, deren
Angehörige, z.B. Christoph Rüdiger, stellten sich auf
der
Liste der NPD zur Wahl.
Zwar sind die AN in Kiel
zahlenmäßig nach wie vor recht schwach, legen aber
einen
für die Verhältnisse der Stadt bisher kaum gekannten
Aktivismus an den Tag.
Und nicht nur Kieler
Antifaschistinnen
und Antifaschisten müssen sich mit dem Phänomen der
»Autonomen Nationalisten« auseinandersetzen. Seit
Mitte
2008 gründeten Nazis in Schleswig-Holstein
verschiedene
»Aktionsgruppen«. Diese betreiben eine gemeinsame
Internetseite namens »mein-sh.info«, auf
der Links zu
den Gruppen sowie zu Kreisverbänden der NPD zu finden
sind.
Aus
dem Kreis der »Aktionsgruppen« werden in
jüngster Zeit
nicht nur in Kiel immer wieder Angriffe auf linke und antifaschistische
Menschen und Projekte begangen. In Neumünster wurde nach
Informationen der örtlichen Antifaschistischen Aktion erst
kürzlich ein Mitglied des
»Bündnisses gegen
Rechts« zwei Mal innerhalb weniger Stunden angegriffen. Nazis
warfen nachts Fenster seines Hauses mit Steinen ein und
bedrängten
ihn am nächsten Tag während der Fahrt in seinem Auto.
In der
vorvergangenen Woche verübten bisher Unbekannte einen
Brandanschlag auf das linke Zentrum »T-Stube« in
Rendsburg.
Antifas in der Stadt vermuten, dass Nazis der »Aktionsgruppe
Rendsburg« für den Anschlag verantwortlich
sind.
Angesichts
der Vielzahl der Vorfälle haben auch die staatlichen Organe
die
»Autonomen Nationalisten« in
Schleswig-Holstein zur
Kenntnis genommen. So durchsuchte das Landeskriminalamt Ende April vier
Wohnungen von umtriebigen Nazis in Kiel. Ihnen wird nun die
»Bildung einer kriminellen Vereinigung« nach
Paragraf 129
vorgeworfen. (Quelle http://jungle-world.com/artikel/2009/26/35363.html)
*Der
vollständige Name ist der Redaktion bekannt.
Weitere
Informationen gibt es auf www.antifa-kiel.org
Ein
„wirklich deutsches Nachrichtenmagazin“?Kiel:
Zum Jahresende soll ein „wirklich deutsches
Nachrichtenmagazin“ auf den Markt kommen.
Das
noch namenlose Blatt soll ab Dezember erscheinen und will
„die
Umerziehungsmedien Spiegel, Focus und Stern herausfordern“.
Treibende Kraft des Projektes, das nach der „Einheit der
rechten
Publizistik“ ruft, ist der rechtsextreme
schleswig-holsteinische
Verleger Dietmar Munier (Verlagskomplex „Lesen &
Schenken
GmbH“, Arndt-Verlag unter anderem). Bei einem Treffen mit
Harald
Neubauer, seit 1992 Mitherausgeber der Monatszeitschrift
„Nation&Europa", dem ältesten rechtsextremen
Sprachrohr
in der Bundesrepublik, soll laut Auskunft von Munier beschlossen worden
sein, die neue Zeitschrift und
„Nation&Europa“
(Auflage:rund. 18 000), zu „einem einzigen
schlagkräftigen
deutschen Nachrichtenmagazin zusammenzuschmieden.“ Diese
„Einheit der nationalen Publizistik“ solle dann
„zu
einem wirklich unüberhörbaren Sprachrohr in der
Öffentlichkeit“ werden. Um die
„Kriegskasse“
für das Projekt zu füllen, ruft Munier zu Spenden
auf.
Munier, einst Funktionär der NPD-Jugendorganisation Junge
Nationaldemokraten (JN), war am 10. Januar dieses Jahres Gast beim
Neujahrsempfang der sächsischen
NPD-Landtagsfraktion. (Quelle: www.bnr.de)
Pinneberg:
Tausende Menschen demonstrieren gegen Neonazi-AufmarschIn
Pinneberg sind am 06. Juni 2009 nach Polizeiangaben etwa 200 Neonazis
durch die Stadt gezogen. Rund 2000 Menschen demonstrierten gegen den
Aufzug, die Veranstalter sprachen sogar von 4000 Teilnehmern! Die Stadt
Pinneberg wollte den Aufmarsch der Rechtsextremen verbieten lassen, war
damit aber am Freitag gescheitert.
Ebenfalls am 06.
Juni
führte der NPD-Landesverband Schleswig Holstein im Rahmen
einen
genehmigten Informationsstand mit abschließender Kundgebung
vor
dem Bahnhof in Itzehoe durch. Gegen 17 Uhr trafen nach Polizeiangaben
zirka 30 Personen aus dem rechtsextremen Spektrum am Bahnhof Itzehoe
ein und nahmen an der Kundgebung teil. Diese wurde um 17.30 Uhr ohne
besonderen Vorkommnisse beendet.
Weitere
Infos unter:
Kein
Naziaufmarsch in Pinneberg
Bericht
über Antira-Aktionswoche in RendsburgEin Bericht
ist auf Indymedia unter http://de.indymedia.org/2009/05/252136.shtml
zu finden.
Naziaufmarsch
am 1. Mai in ItzehoeErst
wurden sie nur von ein paar Zivilstreifen begleitet. Am Bahnhof
warteten dann mehrere Hundertschaften. Neonazis zogen unangemeldet
durch Itzehoe. 40 von ihnen wurden in Gewahrsam genommen.
Rund
100 Rechte zogen durch Itzehoe
Die
Reise zur Maikundgebung nach Hannover hatte die Polizei untersagt.
Stattdessen statteten mehr als 100 Neonazis - die sich zuvor am "Club
88" in Neumünster getroffen hatten und zu einem Platzverbot
verdonnert worden waren - der Kreisstadt Itzehoe einen
Überraschungsbesuch ab. Im Anschluss an eine DGB-Veranstaltung
in
der Stadtmitte zog der schwarze Aufmarsch im Eiltempo an den
erschrockenen Gewerkschaftern vorbei. Eine Flasche flog, eine
Verdi-Fahne ging zu Bruch. Es wurden Transparente geschwungen und
Parolen gegrölt. Dann war der Spuk auch schon wieder vorbei. Die
Polizei schien von dem Itzehoe-Besuch völlig
überrascht
worden zu sein. Zunächst wurden die Rechtsradikalen nur von
wenigen Zivilbeamten begleitet. Als die überwiegend schwarz
gekleideten und mit Kapuzen und Sonnenbrillen ausgestatteten
Marschierer dann am Bahnhof eintrafen, waren die Ordnungshüter
mit
einem Großaufgebot präsent. Rund 150 Beamte setzten
Teilnehmer des unerlaubten Aufmarsches fest - sofern diese nicht
bereits mit bereitgestellten Pkw verschwunden waren. Am Ende hatten die
Beamten 40 Neonazis vorläufig festgenommen. Die letzten sollen
erst in der Nacht aus Polizeigewahrsam entlassen werden.
Die
Steinburger DGB-Regionalsekretärin Perke Heldt
äußerte
sich erschüttert über "die Aggressivität und
Gewaltbereitschaft, die uns entgegengeschlagen ist". Ortsvorsitzender
Klaus Albrecht atmete auf, dass es in den Reihen der Gewerkschafter
"keine Heißsporne gegeben hat". So herrschte für
Minuten
zwar eine explosive Stimmung in Itzehoe, es gab aber weiter keine
Auseinandersetzungen oder gar Verletzten. (Quelle: SHZ)
Bedeutungsverlust
für die NPD in Schleswig-Holstein Der
aktuelle Verfassungsschutzbericht in Schleswig-Holstein rechnet der
rechtsextremen Szene 1420 Angehörige zu. Die NPD bleibt bei
konstant
240 Mitgliedern, die DVU zählt 210 Mitglieder und
büßte im Berichtsjahr
2008 damit 40 ein. Ungebundene Rechtsextremisten, darunter die
überwiegende Masse aus dem subkulturellen Spektrum mit
verstärkter
Bereitschaft zu Aktionismus und Gewalt, bilden den Rest der Statistik.
Die Bedeutung der aktionistischen Kräfte
hat zugenommen, die der NPD
ist zurückgegangen. Innenminister Lothar Hay (SPD).
„Die NPD ist kaum
noch in der Lage, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen zu
organisieren.“ Von 102 ins Rennen geschickten Kandidaten
haben nur zwei
ein Kommunalmandat errungen, obwohl die
Fünf-Prozent-Hürde abgeschafft
wurde. In Zahlen ausgedrückt hatten 4717 Schleswig-Holsteiner
bei den
Kommunalwahlen der NPD ihre Stimme gegeben. Die Partei besitzt sechs
Kreisverbände, die sich aber durch unterschiedlich rege
Aktivitäten
auszeichnen. Genau wie bei Freien Nationalisten steht und
fällt die
Aktionsskala mit einzelnen Wort- und Handlungsführern. Im
Verfassungsschutz werden namentlich ausdrücklich Thomas Wulff,
Tobias
Thiessen und Peter Borchert genannt. Wulff gehört dem
NPD-Landesvorstand an und steuert offenbar Inhalte wie Taten genauso
wie Thiessen, der mit der Internetplattform
„Aktionsbüro
Norddeutschland“ als Knotenpunkt über
Ländergrenzen hinaus fungiert.
Als Kopf, Organisator und Motivator bei regionalen und
überregionalen
Aufmärschen hat sich der frühere NPD-Landeschef
Borchert gezeigt.
Es gab im Vorjahr drei Rechtsrockveranstaltungen,
eine im seit zwölf
Jahren bestehenden „Club 88“ in
Neumünster-Gadeland, zwei im
Rotlichtviertel Kiels. Dazu wurden fünf Liedermacherabende
aufgelistet,
zwei in Kosel (bei Eckernförde) auf dem Anwesen von Dieter
Kern, zwei
in Neumünster („Club 88“ und im
Innenstadt-Treffpunkt „Titanic“) sowie
einer in Lübeck. In Kosel traf die Szene sich unter anderem
auch zu
einer Sonnenwendfeier. Musikalisch traten die Rechtsrockbands
„Holsteiner Wölfe“ (Raum Ratzeburg),
„Das Letzte Aufgebot“,
„Einherjer“
(beide Raum Lübeck) sowie die ostholsteinische Gruppe
„Word Of Anger“
in Erscheinung.
Dietmar Munier hat sich mit seinem Arndt-Verlag in
Martensrade
(Kreis Plön) seit Jahren etabliert und seine Bandbreite sogar
noch
erweitert. Neben dem Bonus-Verlag, dem Orion-Heimreiter-Verlag, dem
Verlag Pour Le Merite und dem Buchdienst Lesen & Schenken
zeichnet
er auch verantwortlich für die „Deutsche
Militärzeitschrift“.
Von überregionaler Bedeutung ist ein
regelmäßig aus
Schleswig-Holstein heraus organisiertes
Fußball-Freiluftturnier für
nationale Gesinnungskräfte. Als neonazistische Rituale haben
sich
inzwischen auch der Gedenkmarsch für alliierte Bombenopfer in
Lübeck
und der Besuch des Grabes von Karl Dönitz, dem
früheren
Oberbefehlshaber der Reichsmarine, im Sachsenwald herausgestellt.
(Quelle: www.bnr.de)
Verfassungsschutzbericht zum Download als PDF
Nachtrag:
Im Verfassungsschutzbericht wird außerdem der in Burg
(Dithm.)
von Tim Schatowitz betriebene "Faktum Verlag" erwähnt.
Neonazi-Anwalt
wirft Bauern vom HofAls
er pleite war, ließ Bauer Klaus-Hermann Christiansen aus
Ockholm
seinen Hof von Jürgen Rieger ersteigern. Dann gab es Streit um
die
Miete. Nun wird der rechtsextreme Anwalt den Bauern wohl vom Hof jagen.
Er
lässt sich nicht viel gefallen: Klaus-Hermann Christiansen
(56),
Bauer im Hauke-Haien-Koog im nordfriesischen Ockholm, hat bereits viele
Streits hinter sich. Mit zwei Banken, mehreren Anwälten,
Nachbarn
und einer Telefongesellschaft hat er sich inzwischen
überworfen.
Doch das Leben ging weiter. Bis jetzt. Denn der Landwirt hat sich auch
jemanden zum Feind gemacht, an dem er sich wohl die Zähne
ausbeißen wird - Jürgen Rieger (62), Neonazi-Anwalt
in
Hamburg. Der NPD-Funktionär kann den Nordfriesen ab dem 1. Mai
sofort von Haus und Hof jagen - per Urteil des Husumer Amtsgerichtes. Bereits
zum Jahrtausendwechsel hatte Rieger, der seit Jahren mit
Immobiliengeschäften in Norddeutschland für Aufregung
sorgt,
den Hof in Ockholm aus einer Zwangsversteigerung erworben. Ein Vorgang,
den die Öffentlichkeit erst acht Jahre später
wahrgenommen
hat - als Bauer Christiansen das Wasser bis zum Hals stand.
Auf
Empfehlung des "Deutschen Rechtsbüros"
An
dem Dilemma ist der Landwirt allerdings nicht ganz unschuldig: Hat er
sich doch den rechtsextremen Anwalt selbst ins Haus geholt. Damals,
Ende 1999, als er mit seinem Betrieb "wegen schlechter Ernten und
Tierseuchen" kurz vor dem Aus stand. Darlehen habe er nicht mehr zahlen
können, berichtet Christiansen. Eine erste Zwangsversteigerung
Anfang der 1990er-Jahre habe der mittlerweile arbeitslose Bauer durch
Landverkauf abwehren können, die zweite im Jahre 1999 nicht
mehr.
Da
holte er sich - auf Empfehlung des "Deutschen Rechtsbüros" -
den
rechtsextremen Anwalt aus Hamburg zu Hilfe. "Wir haben hier ja keine
ordentlichen Anwälte, die was für einen machen",
begründet dies Christiansen im Nachhinein. Politisch indes
habe er
"mit den Braunen" nichts gemein. Christiansen: "Ich habe immer CDU
gewählt."
Den ganzen Artikel vom 30. April
2009 lesen:
Rechtsstreit
: Neonazi-Anwalt wirft Bauern vom Hof
DER
KRIEG
GEGEN DIE JUDEN - Warum sich die globale Öffentlichkeit in der
ökonomischen Krise gegen Israel wendet
Der Journalist und Autor Robert Kurz
über die Glorifizierung des alten
“Antiimperialismus”,
die auch bei der NPD und anderen Helden zu bewundern ist. Ein Auszug:
Die politischen Reaktionen auf den
Krieg in Gaza zeigen, dass Israel umso weniger Freunde hat, je
bedrohlicher seine militärische Lage wird. Im
Verhältnis der Kräfte
findet eine tektonische Verschiebung statt. Schon immer ging es im
Nahen Osten nicht um einen begrenzten Streit von regionalen Interessen,
sondern um einen exemplarischen und ideologisch aufgeladenen
Stellvertreter-Konflikt. In der Epoche des Kalten Krieges galt die
Auseinandersetzung zwischen Israel und Palästina als Paradigma
für den
Gegensatz von westlichem Imperialismus unter Führung der USA
und einem
„antiimperialistischen“ Lager, um dessen
Führung die Sowjetunion und
China konkurrierten.
Die Propaganda beider Seiten
ignorierte dabei den
Doppelcharakter des Staates Israel, der einerseits ein
gewöhnlicher
moderner Staat im Rahmen des Weltmarkts ist, andererseits aber eine
Antwort der Juden auf die eliminatorische Ausgrenzungsideologie des
europäischen und insbesondere des deutschen Antisemitismus.
Israel
wurde subsumiert unter eine weltpolitische Konstellation, in der es nie
aufging.
Nach dem Zusammenbruch des
Staatssozialismus und der „nationalen
Befreiungsbewegungen“, die ein
Programm „nachholender Entwicklung“ auf Basis des
Weltmarkts formuliert
hatten, veränderte sich der Charakter des
Stellvertreter-Konflikts
grundsätzlich. An die Stelle der säkularen
Entwicklungsregimes trat im
Nahen Osten und darüber hinaus der sogenannte Islamismus, der
nur
scheinbar als traditionelle religiöse Bewegung firmiert.
Tatsächlich
handelt es sich um eine postmoderne kulturalistische Krisenideologie
eines Teils der längst verwestlichten Eliten in den
islamischen
Ländern, die das autoritäre Potential der Postmoderne
repräsentieren
und den gänzlich unislamischen europäischen
Antisemitismus aufgesogen
haben. Die am Weltmarkt gescheiterten Segmente des Kapitals in dieser
Region erklärten den Krieg gegen die Juden zum exemplarischen
Kampf
gegen die westliche Vorherrschaft. Umgekehrt machte der westliche
Krisenimperialismus mit den USA an der Spitze den Islamismus zum neuen
Hauptfeind, nachdem er ihn zuvor im Kalten Krieg gepäppelt und
mit
Waffen versorgt hatte.
Diese neue Konstellation
führte zu
ideologischen Verwerfungen ungeahnten Ausmaßes. Der
Neoliberalismus
schien sich mit dem kapitalistischen Weltordnungskrieg gegen die
„zerfallenden Staaten“ in den Krisenregionen und im
Nahen Osten mit
Israel zu identifizieren. Neofaschistische Strömungen in aller
Welt
gehen seither mit dem antisemitischen islamistischen
„Widerstandskampf“
konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen
Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch
große Teile der
globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten
„Antiimperialismus“ auf die islamistischen
Bewegungen und Regimes zu
übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung
gekennzeichnet
werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke
jemals
eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser
Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität
unter Todesstrafe
und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse. Auch
dafür ist
keine traditionelle Religion verantwortlich, sondern eine
kulturalistisch eingefärbte Militanz des kapitalistischen
Patriarchats
in der Krise, die sich auf andere Weise auch im Westen bemerkbar macht.
Die unheilige Allianz des „sozialistischen“
Caudillismus eines Chavez
mit dem Islamismus stellt nur die weltpolitische Ratifizierung dieses
ideologischen Verfalls dar, die keine emanzipatorische Perspektive hat.
Der
ganze Text erschien bei Exit-Online.
Chroniken
der Nazi-Aktivitäten 2008 und 2. Halbjahr 2007Das
Antifaschistische Bündnis
Dithmarschen führt eine chronologische Übersicht
über
die Aktivitäten der Nazis in
Dithmarschen. Das Bündnis veröffentlicht nun die
Chroniken für das 2. Halbjahr 2007 (PDF 47 kB)
und für das Jahr 2008 (PDF 54 kB) - ohne
Anspruch auf Vollständigkeit. Die
Chroniken können als PDF
herunter geladen werden.
Auch die Chroniken für 2007 1.
Halbjahr (PDF 64 kB), 2006
(PDF
51 kB) und 2005 (PDF 16 kB) stehen zum
Download zur
Verfügung.
Finanzkrise
als Nährboden für Antisemitismus Das Neue Deutschland
(!) hat ein Interview mit Prof. Werner Bergmann vom Zentrum
für
Antisemitismusforschung der Technischen Universität (TU)
Berlin
geführt. Darin geht es um strukturellen Antisemitismus bei der
Analyse
der Finanzkrise. Traditionell würden Juden seit dem
Mittelalter mit dem
Sektor Geld, Kreditvergabe und Handel identifiziert, zu dem sich im
späten 19. Jahrhundert noch das Bild des
“Börsenspekulanten”
hinzugesellt habe, so Bergmann. Dies sei ein Bild, das sich bis heute
erhalten habe. Umfragen zeigten, dass Juden von relativ vielen
Befragten Eigenschaften wie “geldgierig” oder
“geizig” zugeschrieben
würden und man meine, dass ihr Einfluss in der
Geschäftswelt und auf
den Finanzmärkten zu groß sei.
Die Ereignisse betreffen das
kapitalistische System als Ganzes
Im Folgenden geht Bergmann auf den Unterschied
zwischen “raffendem”
und “schaffendem” Kapital ein: Im Moment werde zum
Beispiel versucht,
den Kreis der Schuldigen für die Finanzkrise einzugrenzen.
“Statt zu
sagen, die Ereignisse betreffen das kapitalistische System als Ganzes,
konzentriert man sich auf ein paar Banker und Spekulanten, denen
bestimmte Eigenschaften wie “geldgierig” oder
“können den Hals nicht
voll kriegen” zugeschrieben werden”, so Bergmann.
“Eigenschaften, die
auch zum Kern antisemitischen Denkens gehören und die der
Debatte,
sicher nicht mehrheitlich, aber in einigen Fällen, eine
antijüdische
Richtung geben könnten. Ich denke, dass momentan die Kritik an
den USA
dominiert. Allerdings ist der Weg vom Antiamerikanismus zum
Antisemitismus oft nicht weit. Besonders ausgeprägt sind
solche
Vorstellungen von einer jüdisch-amerikanischen Allianz, die
markt- und
weltbeherrschend agiert, natürlich im rechtsextremen Lager.
Aber man
findet sie durchaus auch darüber hinaus.”
Rechtsextremisten sprächen nun vom
“judäo-amerikanischen Weltfinanz,
die die Globalisierung steuert”. Bergmann betonte, er habe
den
Eindruck, dass “das in den letzten Jahren durch die weit
verbreiteten
Vorbehalte gegen bestimmte Globalisierungsphänomene wieder ein
Thema
geworden ist.”
Schmalspur-Kapitalismuskritik
Die
anti-hegemonialen Eigenschaften des Antisemitismus lassen diese
uralten Vorurteile auch heute noch für so einige
Leute attraktiv
erscheinen - und dies nicht nur bei Rechtsextremisten. Zudem helfen der
Antisemitismus und Verschwörungstheorien, komplexe
wirtschaftliche und
gesellschaftliche Phänomene zu erklären. So
ist auch zu erklären, dass
Irans Präsident Ahmadinedschad mit seinem Antisemitismus in
einigen
Staaten Südamerikas punkten kann.
Ein Beispiel für diese
Schmalspur-Kapitalismuskritik in Deutschland:
die eigenwilligen Analysen des Autoren Jürgen
Elsässer. Die rechte
Wochenzeitung `Junge Freiheit` berichtete im Oktober 2007: Am
10.
Oktober habe Elsässer im Berliner Hilton vor der
Preußengesellschaft,
in deren Beirat Fürst Ferdinand von Bismarck sitzt,
über den `Angriff
der Heuschrecken, Finanzkollaps, Zerstörung der Nation und
globaler
Krieg` gesprochen. Weiter heißt es: `Angesichts der auch in
seinem Buch
(JF 15/07) genannten Gefahren warb der linksnationale Elsässer
bei den
Altkonservativen für ein Bündnis von
“Lafontaine bis Gauweiler” - das
sei wichtiger als Gender Mainstreaming und der Einsatz für die
“Transsexuellen in der Mongolei”. […]
Nur die Linke und Teile der CSU
(”Habe gewisse Sympathien für Stoiber”)
verteidigten den “rheinischen
Kapitalismus” noch. Ähnliches gelte für die
immer stärker US-hörige
deutsche Außenpolitik.`
Die folgenden Sätze werden beispielsweise
den NPD-Leuten um Jürgen
Gansel viel Freude bereiten, die JF schreibt über
Elsässers Ideen: `Als
“Linker von altem Schrot und Korn” forderte er
angesichts der
aggressiven US-Finanzindustrie eine
“Re-Nationalisierung”: um die
“heimischen Arbeitskräfte” zu
schützen und die demokratische
“Staatskontrolle über
Schlüsselindustrien” wiederzuerlangen - aber
nicht im “alten bolschewistischen Sinne”,
fügte er hinzu.` Und weiter:
`Das deutsche Großkapital sei heute eine relativ friedliche
Einrichtung, weil es mit Irak und Iran lieber Handel treiben
möchte,
anstatt Krieg zu führen. Es bremst die Kriegspläne
der USA und sollte
unterstützt werden`, so Elsässer einem
Augenzeugenbericht zufolge. (Quelle: NPD-Blog)
http://www.neues-deutschland.de/artikel/137055.naehrboden-fuer-antisemitische-vorurteile.html
Rassismus
in Deutschland: Bundesregierung nimmt Stellung zu UN-VorwürfenDer
UN-Ausschuss für die Beseitigung jeder Form des Rassismus
hatte
die unzureichenden Maßnahmen der Bundesregierung gegen
Rassismus
kritisiert. Die Bundesrepublik Deutschland habe Verpflichtungen aus der
“Internationalen Konvention zur Beseitigung jeder Form von
Rassismus” bislang nicht erfüllt, so die Kritik des
Anti-Rassismus-Ausschusses (CERD) am 15. August 2008 bei der Sitzung in
Genf.
Der UN-Ausschuss formulierte in seinem
Länderbericht
zu der Bundesrepublik Deutschland eine Reihe von konkreten
Kritikpunkten, verbunden mit der Erwartung an die Bundesregierung, auf
diese Kritik zu reagieren, hieß es in einer Anfrage der
Linksfraktion im Bundestag. In ihrer Antwort schreibt die Regierung:
Die
Bundesregierung nimmt die nach Vorstellung des 16. bis 18.
Staatenberichts der Bundesrepublik Deutschland über
Maßnahmen zur Durchführung des Internationalen
Übereinkommens vom 7. März 1966 zur Beseitigung jeder
Form
von Rassendiskriminierung (ICERD) geäußerten
Empfehlungen
und die Kritik des zuständigen VN-Ausschusses sehr ernst. Der
Abschlussbericht gibt Anlass zur genauen Bewertung und
sorgfältigen Prüfung, ob innerstaatliche
Maßnahmen
ergriffen werden müssen. Die von dem Ausschuss in seinem
Abschlussbericht aufgeworfenen Fragen werden von der Bundesregierung
innerhalb der vom Ausschuss gesetzten Fristen beantwortet werden.
Die
Bekämpfungsämtlicher Formen rassistischer
Diskriminierung und
rassistischer Vorurteile sei für das deutsche Recht und die
deutsche Politik von herausragender Bedeutung, heißt es
weiter.
Wie
will sich Deutschland als “nicht-multi-ethnischer
Staat” definieren
UN-Experten
hatten der Bundesregierung mangelhafte Maßnahmen im Kampf
gegen
Rassismus vorgeworfen. Anhaltende rechtsextremistische und
fremdenfeindliche Übergriffe zählten zu den
Hauptbedenken der
Experten, hieß es in einer Mitteilung des UN-Komitees zur
Beseitigung von Rassismus (CERD) in Genf. Es sei zudem unklar, wie
Deutschland sich als “nicht-multi-ethnischer Staat”
selbst
definieren wolle, hatte der CERD-Berichterstatter für
Deutschland,
Patrick Thornberry, während der mehrtägigen
Beratungen
betont. Demnach hat ein Fünftel der Bevölkerung in
Deutschland einen Migranten-Hintergrund, rund acht Prozent seien
Ausländer ohne deutschen Pass. Das Komitee wollte wissen,
inwieweit diese Bevölkerungsgruppen in die
öffentlichen
Dienste integriert seien, etwa in die Polizei.
Die
UN-Experten
hatten untersucht, inwieweit Deutschland seinen Verpflichtungen aus der
Internationalen Konvention zur Abschaffung von Rassismus nachkommt. Als
einer von 173 Mitgliedstaaten des Abkommens ist Deutschland
verpflichtet, regelmäßige Berichte vorzulegen. Eine
deutsche
Delegation, darunter Vertreter aus den Ministerien für Justiz,
Inneres und Familien sowie aus dem Auswärtigen Amt, hatte in
Genf
nun auf Fragen der UN-Experten geantwortet. Auch der Sprachgebrauch im
deutschen Recht und bei Behörden war ins Visier der
Anti-Rassismus-Experten geraten. Zudem seien die Statistiken, die
Deutschland dem Gremium vorgelegt habe, mangelhaft. Die Untersuchung
seien nicht nach international gebräuchlichen ethnischen
Kategorien aufgeschlüsselt, kritisierte das
UN-Komitee. (Quelle: NPD-Blog)
Plakat
"Keine Toleranz für
Neonazis in Dithmarschen"Das
Antifaschistische Bündnis Dithmarschen
hat bei der Maikundgebung des DGB das Plakat unter
dem Titel "Keine Toleranz für Neonazis in Dithmarschen und
anderswo" der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Plakataktion wird von 23 Organisationen
unterstützt. Neben Gewerkschaften,
Frauenorganisationen, der Kirche, Unternehmen und der Stiftung gegen
Gewalt und
Extremismus auch von sieben dithmarscher Parteien. Hier fehlen nur CDU
und FDP.
Außerdem wurde das Plakat von fast 200 Personen
unterzeichnet, darunter der
DGB-Regionsvorsitzende Karsten Wessels, die Kreisvorsitzenden von UWD,
SPD und Grünen,
die SPD-Abgeordneten Jörn Thießen und Detlef Buder,
Propst Henning Kiene, die Heider
Gleichstellungsbeauftragte Gabriela Petersen und Landrat Jörn
Klimant.
Wer die Plakataktion noch unterstützen oder das
Plakat haben
möchte, kann uns dies per E-Mail (ggf. mit
Funktion) an die Adresse mail(at)antifa-dithmarschen.tk
mitteilen. Die
Namen weiterer UnterzeichnerInnen werden auf dieser Homepage
veröffentlicht.
Bisherige
UnterzeichnerInnen
Plakat
als PDF-Datei
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