Letztes Update vom 06.11.2009
Aktuell

Gedenken an die Progrome von 1938

Wir möchten auf folgende Gedenkveranstaltungen hinweisen:

Die Stiftung gegen Extremismus und Gewalt will der Heider Opfer des Nationalsozialismus gedenken. Treffpunkt ist am 9. November 2009 um 16.30 Uhr in der Friedrichstr. 4 in Heide an den Stolpersteinen für die Familie Stillschweig. Die Stiftung möchte die Stolpersteine putzen und lädt alle Bürgerinnen und Bürger dazu ein.

Zur Erinnerung an die Pogromnacht in Friedrichstadt lädt die Stadtarchivarin Christiane Thomsen am 10.11. um 15 Uhr zu einem Rundgang ein, bei dem an das Schicksal der 1938 hier lebenden jüdischen Familien erinnert werden soll. Treffpunkt ist die "Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge", Am Binnenhafen 17, die Teilnahme ist kostenlos.


Aktionswochen gegen Antisemitismus

Carstensen Arm im Arm mit Neonazis

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) gibt sich gerne bürgernah – auch und gerade am späten Abend einer Landtagswahl: Und gerne lässt er sich dabei ablichten, wenn er mit den Menschen auf Tuchfühlung geht. Doch diesmal hat sich der Ministerpräsident mit seiner Bürgernähe gewiss keinen Gefallen getan: Ein Foto, veröffentlicht in einem rechtsextremen Internetforum, zeigt Carstensen im Kieler Landeshaus Seite an Seite mit aktiven Neonazis aus der Kieler Szene. Um zwei von ihnen hat Carstensen den Arm gelegt, der Dritte mit auffälliger Bürstenfrisur steht lachend daneben.

Stefan Schölermann, NDRInfo

Das Foto entstand offenbar am späteren Wahlabend, denn Carstensen hatte seine Krawatte bereits abgelegt. Die Rechtsextremisten hatten Carstensen offenbar unter einem Vorwand zu dem Foto überredet. Im Internet feiern sie diesen „Coup“ in fehlerhaftem Deutsch als „Nationaler Fototermin mit dem Ministerpräsident“. Offenbar hatten weder Carstensen noch seine Personenschützer oder der Sicherheitsdienst erkannt, wer da um ein gemeinsames Foto bat.

Dabei sind mindestens zwei der Neonazis in Kiel bei der Polizei bekannt. Seit einigen Monaten kommt es in der Landeshauptstadt an der Kieler Förde immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen linker und rechter Szene. Mindestens einer der Abgelichteten soll dabei eine aktive Rolle spielen.

Carstensen gibt sich ungerührt. In einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme lässt der CDU- Politiker wissen, dass ihm persönliche und auch spontane Begegnungen mit den Menschen wichtig seien: „Von dieser Haltung werde ich mich auch in Zukunft nicht abbringen lassen – auch nicht durch Täuschungen und dumme Propagandatricks aus der rechtsextremen Ecke.“

Doch es bleiben Fragen: Wie konnte es den Neonazis an diesem Abend überhaupt gelingen, in den Landtag hineinzukommen. Zugang hatten außer den Abgeordneten und deren geladenen Gästen nur die Medien. Im Internet rühmen sich die Neonazis, dass sie am Wahlabend unerkannt alle Fraktionsräume besucht hätten. Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Martin Kayenburg räumt ein, dass im Trubel eines Wahlabends auch der ein oder andere unerwünschte Gast durch die Schleusen der Sicherheitskontrollen geschlüpft sein könnte.

Ein Sicherheitsproblem, vor allem für prominentere Politiker, sieht man in der Landtagsverwaltung aber nicht und verweist auf die Personenschützer der Politiker. Zugleich kündigte Kayenburg eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen an, die – wenn nötig – angepasst werden müssten. “Es darf nicht sein, dass erklärte Feinde der Demokratie das offene und besucherfreundliche Landeshaus für ihre menschenverachtenden Zwecke missbrauchen“, sagte Kayenburg. Zumindest an diesem Wahlabend waren die Kieler Neonazis dabei nicht ohne Erfolg.


Der Pirat aus dem “Störtebekernetz”

Ein ehemaliger Kameradschaftskader aus Sachsen ist seit kurzem Mitglied der Piratenpartei in Niedersachsen. Die Partei agierte bisher nicht gerade glücklich im Umgang mit Rechtsextremismus. Der Landesverband Niedersachsen muss sich jetzt unangenehmen Fragen stellen lassen. Wie ist es zu bewerten, wenn sich ein ehemaliger Kameradschaftskader der Partei anschließt? Wie ist damit umzugehen, wenn er Parteiveranstaltungen besucht?

Von Martin Hünemann, zuerst veröffentlicht bei Mut gegen rechte Gewalt

“Udo Hempel ist ein sehr aktiver Pirat”, sagt Christian Koch, Landesvorsitzender der Piratenpartei in Niedersachsen. Hempel hat an Plakataktionen und Infotischen mitgearbeitet – so, wie es sich eine Partei von einem vorbildlichen Mitglied wünscht. Allerdings war Udo Hempel vor nicht allzu langer Zeit politisch noch anderweitig zu Hause. Es handelt sich nämlich um denselben Udo Hempel, der bis vor fünf Jahren ein führender Kopf der sächsischen Neonaziszene war und auch dem Verfassungsschutz bekannt war.

Gestern Kamerad – Heute Pirat

In einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ im August 2004 wird Hempel als Anführer der Kameradschaft „Organisation dianoetisch-alternativer Lebensauffassung“ (O.D.A.L.) genannt. Die dianoetische Lebensauffassung geht bis auf Aristoteles zurück und wurde in jüngerer Zeit von rechten Esoterikern aufgegriffen. In der Abkürzung nimmt die Kameradschaft auf die Odal-Rune Bezug. Die Rune germanischen Ursprungs, wird immer wieder von Alt- und Neonazis benutzt und diente auch einer SS-Einheit im zweiten Weltkrieg als Erkennungszeichen. In Zusammenhang mit dem Kameradschaftsspektrum wird Hempel  2003 auf altermedia (früher auch Störtebekernetz), einem Nachrichtenportal der Neonazis, im Rahmen einer Kameradschaftsmahnwache erwähnt – zusammen mit Mario Matthes, einem vorbestraften Neonazi aus Rheinland-Pfalz, der aufgrund eines Übergriffs der Uni verwiesen wurde. aufgegriffen.

Zu diesem Zeitpunkt hat Hempel schon eine beachtliche Szenekarriere hinter sich. In den Neunzigern war der heute 33-jährige Hempel bereits Vorsitzender des Jungen Nationalen Spektrums dem Jugendverband des Nationalen e.V. (JNS). Der Nationalen e.V. löste sich 1997 auf, wahrscheinlich um einem Verbot zuvorzukommen. 2001 wurde Hempel namentlich im Verfassungschutzbericht des Landes Brandenburg erwähnt. Demnach versuchte er zusammen mit anderen Kameradschaftskadern, das JNS wiederzubeleben. Dem Bericht zufolge war das wieder gegründete Netzwerk, ein „strukturarmes Sammelbecken für neonazistische Kameradschaften und Kleingruppen“. Das JNS organisierte Demonstrationen und gab eine eigene Zeitschrift heraus. Nach Informationen des Kulturbüros Sachsens war Hempel darüber hinaus in der Kameradschaft „Schlesische Jungs“ organisiert.

Auffällig an Hempel sei sein pragmatisches Auftreten gewesen. Er habe zu jenen Kameradschaftlern gehört, die „ordentlich angezogen sind, den Gauwinkel ‚Schlesien’ auf dem Ärmel tragen und die nach Schmierereien das Bushäuschen neu streichen.“ Nach Informationen der Opferhilfe Amal in Sachsen beteiligten sich die „Schlesischen Jungs“ neben Demonstrationen auch an gewalttätigen Übergriffen auf alternative Jugendliche. Seit circa fünf Jahren hat man von Udo Hempel allerdings nichts mehr gehört.

Piraten: „Jeder hat das Recht sich zu ändern“

Dem Landesvorsitzenden der Piraten, Christian Koch, ist die Sache seit anderthalb Wochen bekannt. Daraufhin habe es ein klärendes Gespräch gegeben. Udo Hempel habe nichts gesagt oder unternommen, um in eine Funktion innerhalb der Partei zu kommen. Auch ansonsten sei er völlig unauffällig. Insofern gebe es von Seiten der Piratenpartei keine Bedenken. Hätte sich herausgestellt, dass Hempel ein aktiver Neonazi sei, wäre „selbstverständlich“ ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet worden. Vor allem hebt der Landesvorsitzende hervor: „Jeder hat das Recht sich zu ändern.“

Diese Wandlung zieht ein Mitarbeiter des Kulturbüros Sachsens in Zweifel, in Anbetracht der tiefen Verwurzelung Hempels sei an „eine grundlegende Wendung nicht zu glauben.“ Vielmehr sei wahrscheinlich, dass Hempel in den Forderungen der Piraten ein neues gesellschaftliches Ordnungsprinzip jenseits der parlamentarischen Demokratie sehe, wie es auch von Kameradschaftlern angestrebt wird.

In einer Stellungnahme Hempels, die über den E-Mailverteiler der Piraten in Niedersachsen ging und die MUT vorliegt, gibt Hempel zu, dass er „bis 2003 in der rechten Szene verwurzelt war“. Er schreibt weiter, er habe sich resozialisiert, er müsse nicht demokratisiert werden, das habe er ganz allein geschafft. Andere Äußerungen, wie dass er „nie ein Rassist oder Ausländerfeind war“, erscheinen allerdings zweifelhaft, ging doch die eingangs genannte Mahnwache mit Mario Matthes unter anderem gegen den „ungezügelten Zustrom von Volksfremden“.

Es gibt Zweifel an der Wandlung, die Hempel behauptet gemacht zu haben und Widersprüche zwischen konkretem Handeln in der Vergangenheit und seinem Statement auf dem E-Mailverteiler in der Gegenwart. Der Vorstand der Piraten hat sich jedoch dafür entschieden, Hempel bei den Piraten eine zweite Chance zu geben. Die Befürchtung, dass sich antidemokratische Personen in der Partei etablieren könnten, hält der Landesvorsitzende für unbegründet: „Wir sind in unserer Struktur so gefestigt, dass die Alarmglocken natürlich schrillen, wenn jemand extremistische Tendenzen zeigt.“ Wie schwer der Partei der Umgang mit Demokratiefeinden trotz „gefestigter Strukturen“ mitunter fällt, zeigte die Auseinandersetzung um den Holocaust-Leugner Bodo Thiesen.


NPD bei Landtagswahl halbiert

Die extrem rechte NPD erzielte bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 0,9 Prozent (14.977 Zweitstimmen) und wurde gegenüber 2005 (27.676 Stimmen = 1,9 Prozent) halbiert. Auch in Dithmarschen verloren die Neonazis die Hälfte ihrer Wähler_innen: In Dithmarschen-Süd wählten 480 Menschen die NPD, was gegenüber 2005 (741 Zweitstimmen = 2,1 Prozent) ein Verlust von 0,8 Prozent  bedeutet. Noch stärker verlor die NPD in Dithmarschen-Nord: Sie erhielt nur noch 323 Zweitstimmen (0,9 Prozent) und halbierte ihr Ergebnis von 2005, das bei 740 Stimmen (2,1 Prozent) lag. Besonders erfreulich ist, dass die NPD bei der Landtagswahl die für die Wahlkampfkostenerstattung wichtige Grenze von 1 Prozent verfehlt hat.

Bei der Bundestagswahl kam die NPD in Schleswig-Holstein wie 2005 auf 1,0 Prozent. Sie konnte dieses Ergebnis aber nur halten, weil die Wahlbeteiligung zurückging. 15.848 Schleswig-Holsteiner_innen wählten bei der Bundestagwahl die NPD gegenüber 17.061 bei der letzten Wahl. Die DVU bekam 1.764 Stimmen, was 0,1 Prozent entspricht.

Analyse der Bundestagswahl in Blick nach Rechts


Alles muss man selber machen


Demonstration gegen Neonazitreff "Club 88"

Mehrere hundert Menschen haben am Sonnabend in Neumünster gegen den Neonazitreff "Club 88" demonstriert. Dazu hatte das Bündnis gegen Rechts aufgerufen, ein Zusammenschluss aus 35 Organisationen, darunter Gewerkschaften, Kirchen und Politiker.

Die rund 400 Teilnehmer seien am Nachmittag zu ihrem Demonstrationszug gestartet, teilte ein Polizeisprecher mit. Der Auftakt sei friedlich verlaufen. Vor der Bundes- und Landtagswahl wollten die Organisatoren auch ein Zeichen gegen die Wahl der NPD und anderer rechtsextremer Parteien setzen, wie der Verdi-Bezirk Südholstein mitteilte.

Aus dem Demonstrationsaufruf: "Der Club “Heil Hitler” steht seit 13 Jahren völlig ungestört gegenüber einer Schule mitten in einem Wohngebiet, als wäre dies das Normalste der Welt und als hätte es die in der NS-Zeit verübten Verbrechen nie gegeben. Das Ergebnis aus 13 Jahren Club 88 kann man sich mit einem Blick auf die Verhältnisse heute in Neumünster ansehen. Neumünster verfügt wie kaum eine andere Stadt in Schleswig-Holstein sowohl über eine organisierte Naziszene als auch über  eine  rechtsextreme  “Alltagskultur”. In Neumünster brauchen Nazis nicht erst über Infotische, Aufmärsche oder dergleichen versuchen, Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft zu finden, sie sind längst da, in einigen Sportvereinen, in Kneipen, auf Stadtfesten etc."



NPD-Stand in Heide verhindert

Die NPD hatte für den 15. August einen Infostand auf dem Marktplatz in Heide angemeldet, um ihre menschenverachtende Propaganda zu verbreiten, aber die NPD kam nicht. Stattdessen setzten viele Menschen auf dem Rondell ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und freuten sich darüber, dass der NPD-Stand verhindert werden konnte. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!

Flugblatt über den NPD-Bezirksvorsitzenden Ingo Stawitz (PDF, 28 kB)
Material über die NPD


Gefährliche Verbindung

Der militante Ex-NPD-Kader Peter Borchert scheint an einer Karriere im kriminellen Rockermilieu zu basteln.

Ab Freitag muss sich der 33-jährige Ralf D. vor Gericht verantworten. Der mutmaßliche Neonazi aus dem Umfeld des Ex-NPD-Landesvorsitzenden Peter Borchert ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Im März 2007 soll der Beschuldigte den Hells Angel Dennis K. mit einem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt haben.

Ursprünglich sollte das Verfahren schon im August 2008 eröffnet werden. Doch vor Beginn des Prozesses lieferten sich etwa 30 Neonazis und Hells Angels vor dem Amtsgericht eine wüste Massenschlägerei. Am Ende gab es zwei Schwerverletzte. Der ehemalige NPD-Landesvorsitzende Peter Borchert soll mit einem Messer auf die späteren Opfer, darunter wieder Dennis K., den nur eine Notoperation das Leben rettete, losgegangen sein.

Im Februar 2009 musste sich Borchert, der nun eine Gruppe „Autonomer Nationalisten“ anführt und über eine fast 10-jährige Gefängniskarriere zurückblickt, wegen dieses Delikts vor dem Kieler Landgericht verantworten. Einen Tag vor Prozessbeginn hatte sich Borchert mit seiner damaligen Freundin verlobt, diese berief sich daraufhin auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Da auch die anderen Zeugen schwiegen, wurde Borchert aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt.

Derweil scheint der wegen verschiedener Delikte bereits mehrfach verurteilte Ex-NPD-Kader an einer neuen Karriere im kriminellen Rockermilieu zu basteln. Ausgerechnet in Schleswig-Holstein, welches bislang von den Hells Angels als ihr Stammland betrachtet wird und andere Rockergruppen nicht geduldet werden, gilt Borchert als zentrale Figur bei der Expansion des MC Bandidos und seiner Supporterclubs.

Offiziell geben sich die so genannten Outlaw Motorcycle Gangs wie Hells Angel MC, Gremium MC und Bandidos MC unpolitisch. Verbindungen zur rechtsextremen Szene werden unter Verweis auf ihre internationalen Verbindung stets bestritten. Eine Einschätzung, die vom Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern nicht geteilt wird. Ein Sprecher der Behörde teilt mit: „Sowohl in MV als auch in den anderen Bundesländern ist bekannt, dass einzelne Mitglieder der Rockergruppierungen Kontakte zur rechtsextremen Szene unterhalten beziehungsweise mit dieser sympathisieren.“ Als am 12. August in Neumünster etwa 50 Rocker der verfeindeten Supporterclubs von Bandidos und Hells Angel aufeinandertrafen, zeigte sich auch der ehemalige NPD-Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein Peter Borchert erstmals in der Kutte der Chicanos Neumünster, dem örtlichen Supporterclub des Bandidos MC.

Bei der Begegnung der beiden Rockergangs sammelten die herbeigerufenen Polizeibeamten diverse Waffen, wie Messer, Baseballschläger, Teleskopschlagstock und Pfefferspray ein.

Bundesweit befehden sich die Outlaw Motorcycle Gangs im Kampf um ihre Herrschaftsgebiete. Die Mitglieder der beiden international agierenden und verfeindeten Motorradclubs „begehen im Bundesgebiet Straftaten, die teilweise auch der Organisierten Kriminalität zuzuordnen sind“, teilt der Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) mit. Waffen-, Drogen-, Menschenhandel und Prostitution sind die illegalen, Bars, Tattoo-Studios und Sicherheitsdienste die legalen Geschäftsfelder der Rockerbanden. Wie bei der Mafia, bei den Motorradclubs herrscht eine Art Omertà, das Gesetz des Schweigens. Streitigkeiten um Gebietsansprüche, die Vorherrschaft im Milieu regelt man nach dem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Wenn einfache Drohgebärden nicht mehr ausreichen, wird es brutal. Die Palette der Gewalttaten reicht dann von Überfällen, dem Einsatz von Sprengstoffen, wie jüngst im brandenburgischen Eberswalde, schweren Körperverletzungen bis hin zum Mord.

Dank Borchert haben sich die wiederholten Beteuerungen des Bandidos MC und seiner Supporterclubs, sie seien unpolitisch und schon gar nicht rechtsextrem, als Fabel herausgestellt.

(Quelle: Thomas Niehoff www.bnr.de)


Argumentationshilfe gegen neue NPD-Schulhof-CD

Mit großen Worten verbreitet die NPD seit rund 14 Tagen die Meldung, eine neue “Schulhof-CD” sei da und würde derzeit im Wahlkampf an Jugendliche verteilt. Die CD trägt den programmatischen Titel “BRD vs. Deutschland”. Die NPD versucht, dieses Mal in Zusammenarbeit mit den neonazistischen “Freien Kräften”, mit dieser neuen “Schulhof-CD” sowohl Aufmerksamkeit in den Medien zu erringen als auch junge Menschen für ihren antidemokratischen Kampf zu gewinnen.
“Aus unserer Perspektive muss auf das Auftauchen dieser neuen “Schulhof-CD” reagiert werden”, schreiben Martin Langebach, Jan Raabe und David Begrich von “Argumente & Kultur gegen Rechts e.V.”. Totschweigen oder beschlagnahmen seien keine geeigneten Reaktionen, es sollte besonnen und mit Bedacht reagiert werden. Als den besten Weg empfinden die Autoren einer lesenswerten Broschüre, den politischen Kerngehalt dessen, was die NPD & die “Freien Kräfte” auf dem Tonträger präsentieren, zu analysieren und in Bezug zu setzen zu ihrer antidemokratischen und damit auch verfassungsfeindlichen Weltanschauung.

Die Analyse haben die Autoren in einer Argumentationshilfe kostenlos im Format eines pdf zur Verfügung gestellt. Darin werden Analysen zu den Liedtexten geliefert. “Ferner finden Sie darin Informationen zu den Bands und Musikern. Im Anhang wurden alle Texte des Tonträgers samt des Begleitheftes dokumentiert, so dass Sie sich auch selbst kritisch mit diesem Propagandamedium auseinandersetzen können”, schreiben die Autoren.

Download: handreichung_gegen_npd_schulhof_cd_2009


Thomas Wulff

Der norddeutsche Neonazi Thomas Wulff, NPD-Bundestagskandidat in Schleswig-Holstein, ist seit rund 30 Jahren in der Szene verankert.

Sechs Bewerber hat der Kreiswahlausschuss der Hansestadt Lübeck für die Bundestagswahl am 27. September dieses Jahres zugelassen. Zu ihnen zählt auch der norddeutsche Neonazi Thomas Wulff. Der mehrfach verurteilte Wulff gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Neonazis der Bundesrepublik.

Wulff war Eigenangaben zufolge 1978 zu „politisch organisierten Kameradenkreisen“ aus dem Spektrum der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten“ (ANS/NA) und der NSDAP/AO gestoßen. Den Schritt in die politisch organisierte Bewegung machte Wulff nach einem persönlichen Kennenlernen des damaligen Neonazi-Führers Michael Kühnen 1982. Kühnen, so Wulff, „überzeugte mich davon, dass es wichtig war, wieder eine Organisation zu schaffen, die ganz deutlich für die Ideale und Ziele unserer Weltanschauung eintrat.“ In den 80er Jahren gehörte Wulff als Bundesvorstandsmitglied der 1995 verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) an. Im Mai 1986 hielt er sich besuchsweise in der DDR auf, der „Führungskader der FAP“, so ein Eintrag in einer Akte des Ministeriums für Staatssicherheit“, war „in uniformähnlicher Bekleidung“ aufgetreten. Jedoch ergaben die eingeleiteten Kontrollmaßnahmen, so hieß es in der Akte, „keine Anhalte auf feindliche Aktivitäten“.

1989 rief Wulff mit seinem damaligen engen Vertrauten Christian Worch in Hamburg die „Nationale Liste“ (NL) ins Leben. Die „Partei des neuen Nationalismus“ hatte den Kampf gegen die „Überfremdung unseres Vaterlandes“ und die „irrigen Versuche der ‘Ausländerintegration’“ auf ihre Fahnen geschrieben. Die „Nationale Liste“wurde 1995 verboten. Als Reaktion auf die durch zahlreiche Vereinsverbote seit 1992 „heimatlos“ gewordenen Neonazi-Kräfte setzte Wulff gemeinsam mit Worch ein Konzept um, das die Vernetzung der Neonazi-Szene in einem Geflecht scheinbar strukturloser „Kameradschaften“ vorsah. Dem Konzept gab Wulff den Namen „Freie Nationalisten“ – mit dem Symbol der schwarzen Fahne. In der Neonazi-Zeitschrift „Zentralorgan“ wurde dazu ausgeführt: „Ein freier Nationalist ist ein Kamerad oder eine Kameradin, welche/r sich zu allererst dem Volke und der Nation verpflichtet fühlt. Für mich bedeutet dies, dass ich immer wieder versuche, trotz aller Spaltungsversuche und Abgrenzungsbeschlüsse innerhalb der nationalen Opposition, das gemeinschaftliche Handeln in den Vordergrund zu stellen.“ Mit einem gemeinsamen Aufruf mit der NPD zu einer Kundgebung Ende des Jahres 2003 wurde Wulff zum Wegbereiter neuer Beziehungen zwischen Freien Nationalisten und der NPD.

Im September 2004 trat Wulff gemeinsam mit den Neonazis Thorsten Heise und Ralph Tegethoff der NPD bei. In ihrer Begründung erklärten die Neonazis, seitens der NPD sei der Wille zu spüren gewesen, „sich als Partei deutlich in das Gesamtgefüge einer Bewegung des Widerstandes einzufügen“. Bereits im Folgemonat Oktober wurde Wulff in den Bundesvorstand der NPD gewählt und avancierte zum persönlichen Referenten des NPD-Parteivorsitzenden. Im Mai 2008 schied Wulff vorübergehend aus dem NPD-Bundesvorstand aus, dem er seit April 2009 wieder angehört.

Bundesweite Schlagzeilen lieferte Wulff bei der Beisetzung des Altnazis Friedhelm Busse am 26. Juli in Passau 2008. Im Beisein des NPD-Vorsitzenden Udo Voigt legte Wulff auf dem bereits abgesenkten Sarg Busses eine Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz aus. Bei dem damaligen Bündnispartner der NPD wurde das offenkundig nicht gern gesehen. Gerhard Frey, der langjährige frühere DVU-Bundesvorsitzende, kritisierte Wulffs Aktion in der „National-Zeitung“ folgendermaßen: „Dass jede Form oder auch Andeutung von Neonazismus der antideutschen Meinungsindustrie willkommen ist, wird kaum jemand bezweifeln, der die Polemik fast aller Massenmedien verfolgt. Umso unverständlicher ist es, wenn es immer wieder Deutsche gibt, die durch Andeutung von Neonazismus oder dessen Symbolen genau das darstellen, worauf das antideutsche Lager der ‘westlichen Wertegemeinschaft’ so sehnlich wartet und wofür Tausende Agenten eingesetzt werden.“ Frey abschließend: „Jeder Patriot sollte sich ... wehren, was in Richtung Nazismus und Neonazismus führen könnte. Abertausende V-Leute der Geheimdienste betreiben dieses schmutzige Geschäft. Aber kein aufrechter Deutscher darf sich daran beteiligen.“



Flaute beim Sommerfest der NPD

Die NPD in Schleswig-Holstein scheint vor sich hinzudümpeln. Zur Landtagswahl am 27. September werden noch Unterstützungsunterschriften benötigt, der Wahlparteitag hat noch nicht stattgefunden.

Bereits zum vierten Mal feierte die NPD in Schleswig-Holstein ihr Sommerfest ungestört auf einer Weide am Ortsrand von Wentorf im Landkreis Rendsburg-Eckernförde. Eigens dafür waren am letzten Samstag (8. August) mit einem weißen LKW Sonnenschirme, Holzbänke und zahlreiche Getränke mit Kisten angekarrt worden. Ein Grill wurde aufgebaut. An der Einfahrt zur Wiese, die einem älteren Sympathisanten gehören soll, standen Dixi-Toiletten. Von der Straße ist der Feierplatz kaum einsehbar, nur hundert Meter dahinter erstreckt sich das unwegsame Ufer des Wittensees.

Die NPD-Organisatoren um Jörn Lemke, Kreisvorsitzender aus Lübeck und Hermann Gutsche, Stadtrat in Kiel, rechneten wie in den vergangenen Jahren mit einer größeren Schar von Gästen aus dem gesamten Bundesland. Sie wurden enttäuscht. Aufgrund von zahlreichen anderen Veranstaltungen wie den „Wikinger-Tagen“ in Schleswig, einem Stau auf der Autobahn Richtung Flensburg, sowie dem kurzfristig anberaumten Doppelwahlkampf nahmen sich weniger Kameraden als erwartet die Zeit zum Feiern in dem entlegenen Dorf.

Die NPD scheint in Schleswig-Holstein vor sich hin zu dümpeln. Die Freien Nationalisten bauen unterdessen ihren Einfluss aus. Bei der letzten Landtagswahl erzielte die Partei rund 1,9 Prozent der Stimmen, nur zwei Mandatsträger in Kiel und in Lauenburg fördern die kommunalpolitische Verankerung. Mit einem Zugpferd wie Thomas Wulff erhoffte sich die Spitze im Vorfeld der Doppelwahlen im Herbst neue Zugkraft. Doch auch Wulff war bis zur Feiereröffnung am Nachmittag nicht erschienen. Wulff, der im Norden immer noch als Integrationsfigur zwischen Parteien und Kameradschaften gilt, lebt ursprünglich im Landkreis Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern, doch inzwischen soll er zeitweilig auch im Kreis Herzogtum Lauenburg bei einem NPDler ansässig sein.

Gegen drei Uhr trudelten noch einige jüngere Neonazis mit ihren Freundinnen ein. Ein paar ältere Gäste saßen bereits ungeduldig unter den Zeltpavillons. An einem der Tische wurde Szene-Kleidung angeboten. EDV-Berater Gutsche saß an einem anderen Tisch und sammelte Geld und Listen ein. Ein lauter Generator versorgte die NPD-ler mit Strom.

Gegen halb vier Uhr begnügten sich die Organisatoren mit einer kurzen Eröffnungsrede, die sich vor allem mit der Dringlichkeit der nötigen Unterschriftenlisten zur Landtagswahl am 27. September befasste. Eher fröhlich wurde auch eine Tombola angekündigt. Die Feierrunde fühlte sich völlig ungestört. Einige Glatzköpfe trugen Shirts mit Aufschriften wie „88“, „Störkraft“ oder ein „Lunikoff“-Shirt. Auf dem Pullover einer jungen Frau mit kurzen blonden Haaren prangte eine Irminsul. Unter den Gästen waren auch Jens Lütke, der bereits als Spitzenkandidat für die Landtagswahl genannt wurde, obwohl bisher noch kein Wahlparteitag stattgefunden hat, sowie Elfriede Parlow, ehemalige Kandidatin aus Ostholstein.

In den Jahren zuvor gehörten Musik von nationalen Liedermachern oder Tauziehen zum Programm. Man feierte bis in die Nacht. Diesmal war nach Polizeiangaben um 19.30 Uhr Schluss. „Aus polizeilicher Sicht gab es keine Beanstandungen“, bestätigt der Pressesprecher der Polizei in Neumünster.

Musik hätte in diesem Jahr auch wenig Sinn gemacht: Ein Mähdrescher verrichtete laut und Staub aufwirbelnd am angrenzenden Feld seine Arbeit. Einige Bewohner aus der Region freuten sich darüber, ihnen passt das alljährliche Erscheinen der NPD ohnehin nicht. Doch mit dem Eigentümer der Weide sei nicht zu reden, berichten sie vorsichtig. Eine Frau aus Bünsdorf setzt schelmisch nach: „Eigentlich hätten die Landwirte heute Gülle ausfahren sollen“. (Quelle: Andrea Röpke/Andreas Speit www.bnr.de)


Neonazi aus Meldorf wegen Ebay-Betruges verurteilt

Wegen Ebay-Betrugs in sechs Fällen hat Dr. Jörn Harder jetzt vor dem Amtsgericht Meldorf den 23-jährigen Meldorfer Heiko H.* (Name geändert) verurteilt. Mit einbezogen hat er eine Vorverurteilung vom 3. Februar (da hatte Harder ihn wegen uneidlicher Falschaussage begangen in Tateinheit mit versuchter Strafvereitelung zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt).

Verurteilt worden ist der junge Mann, der zur Tatzeit noch in Wesselburen lebte, zu elf Monaten Freiheitsstrafe, die das Gericht auf diesmal vier Jahre zur Bewährung aussetzte. Der bereits mehrfach vorbestrafte und der rechten Szene zuzuordnende Heiko H. muss sich zudem auch weiterhin seiner Bewährungshelferin unterstellen. Zudem muss er den sechs von ihm geschädigten Ebay-Kunden mit fünf Euro monatlich pro Opfer den jeweils erlittenen Schaden regulieren. Mehr geht nicht, denn Heiko H. lebt von Hartz IV, hat rund 40 000 Euro Schulden und muss noch aus anderen Urteilen Schadenswiedergutmachung leisten. H. nahm das Urteil sofort an, womit es rechtskräftig ist.

Zu den Taten: Unter dem Pseudonym „14XXXX88“ (*geändert) verkaufte der zur Tatzeit 14./15. Oktober 2008 noch in Wesselburen lebende Heiko H. über Ebay Spielekonsolen und Handys für zusammen rund 1200 Euro. Das Geld kassierte und behielt es. Die nervös werdenden Kunden hielt er noch eine Zeit lang telefonisch hin. Dann hörten die nichts mehr von ihm. Ware oder Geld zurück haben sie bis heute nicht erhalten. „Ja, habe ich so gemacht“, bestätigte H. den Anklagevorwurf. „Wofür steht denn 88 hinter 14XXXX“, wollte Richter Dr. Harder noch vom Angeklagten wissen, obwohl es ihm längst klar war, das 88 in Neonazikreisen für „Heil Hitler“ steht, ist doch das H der achte Buchstabe im Alphabet. Heiko H. sagte auf Dr. Harders spitze Frage nur: „Das möchte ich jetzt hier nicht so erörtern.“

Durch das Geständnis blieb dem Gericht erspart, die Akte auf monatelange Deutschlandreise zu schicken, um durch Richter an den Heimatorten der Opfer deren Zeugenaussagen einzuholen. (Quelle: Dithmarscher Landeszeitung vom 31.07.2009)


Kieler Neonazis als kriminelle Vereinigung eingestuft

»Autonome Nationalisten«, die der »Aktions­gruppe Kiel« angehören, treten in der Stadt immer wieder öffentlich in Erscheinung und greifen dabei häufig zur Gewalt. Auch an anderen Orten in Schleswig-Holstein schließen sich Nazis zu »Aktionsgruppen« zusammen.

An einem Samstag Ende Mai versammelten sich gegen Mittag acht schwarz gekleidete Nazis am Kieler Hauptbahnhof. Sie hatten eine Kundgebung in der Innenstadt angemeldet und warteten auf weitere Kameradinnen und Kameraden. Antifaschistische Initiativen aus Kiel hatten wenige Tage zuvor von den Plänen der Nazis erfahren und Proteste angekündigt, etwa 100 Antifaschistinnen und Antifaschisten befanden sich am vorgesehenen Kundgebungsort in der Innenstadt.

Doch zu den Personen am Bahnhof, größtenteils Angehörige der so genannten Aktionsgruppe Kiel (AG Kiel), gesellten sich keine weiteren Nazis. Stattdessen fingen einige von ihnen an, ein paar junge Antifas anzugreifen, die sich in der Nähe aufhielten. Es kam zu regelrechten Jagdszenen, die Polizei schien überfordert zu sein. Kurze Zeit später teilte die Polizei schließlich den noch anwesenden Antifas mit, dass die Nazis ihre Veranstaltung wegen einer zu geringen Teilnehmerzahl abgesagt hätten.

Es war nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass es in der Kieler Innenstadt zu solchen Vorfällen kam. »So etwas erleben wir hier im Moment ständig«, sagt Julia S.* von der Autonomen Antifa-Koordination Kiel. »Die Nazis haben teilweise täglich in der Fußgängerzone Flyer verteilt, wobei es auch mehrmals zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und Antifas kam.«

Anfang des Jahres wurden zehn mutmaßliche Mitglieder und Sympathisanten der AG Kiel an ihren Wohnorten und Arbeitsplätzen von Antifaschistinnen und Antifaschisten öffentlich als Nazis geoutet. Kurz danach veröffentlichte die AG ein Pamphlet, in dem sie Kiel zur »Frontstadt« ausrief. Der Text schließt mit den Worten: »Die Ak­tionsgruppe Kiel ruft alle Nationalisten aus der Landeshauptstadt und Umgebung dazu auf, sich zu organisieren und auch unabhängig als Werwolfeinheiten zu agieren!« Seitdem versuchen Neo­nazis regelmäßig, mit öffentlichen Aktionen wie etwa kleinen Kundgebungen in der Kieler Innenstadt in Erscheinung zu treten.

Bei diesen Gelegenheiten greifen die Kieler Nazis immer wieder zu Gewalt. Nachdem die Polizei im April etwa 40 Nazis eine geplante Kundgebung im migrantisch geprägten Stadtteil Gaarden untersagt hatte, weil sich mehrere hundert Gegendemonstranten eingefunden hatten, versuchten die Rechtsextremen, zu einem Informationsstand des »Runden Tisches gegen Rassismus und Faschismus« in der Fußgängerzone zu gelangen. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und Antifas. Zudem schlugen einige Nazis einen Balletttänzer des Kieler Opernhauses brutal nieder, der sich zufällig am Ort des Geschehens aufhielt. Der Mann erlitt einen doppelten Schädelbasisbruch.

Doch bei solchen öffentlichen Auftritten der Nazis bleibt es nicht. Die Fensterscheiben der Dru­cke­rei des Kulturprojektes »Hansastraße 48« wurden allein in diesem Jahr bereits zwei Mal ein­geschlagen, ein alternatives Wohnprojekt im Kieler Stadtteil Wik wurde schon mehrfach Ziel nächtlicher Besuche von Nazis. An einem Abend im Mai bauten sich etwa zehn bewaffnete Rechts­extreme vor dem Eingang des Hauses auf und bedrohten Gäste einer dort stattfindenden Party, eine Woche später wurde ein Stein durch ein Fenster in eine Wohnung des Projekts geschleudert. Die Bewohnerin Katja S.* äußert sich besorgt: »Offensichtlich genügt schon unsere etwas ungewöhnliche Wohnform, um ins Visier dieser Leute zu geraten. Aus heiterem Himmel wurden bereits im April 2008 abends Scheiben bei uns eingeschmissen. Anschließend brüstete sich die faschistische ›Aktionsgruppe Kiel‹ im Internet mit der Tat.«

Lange Zeit war die Kieler Naziszene geprägt von einem NPD-Kreisverband, der sich bieder-bürgerlich gab. Im Jahr 2008 erreichten jedoch die Aktionsformen der »Autonomen Nationalisten« (AN) die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt. Nazis aus diesem Spektrum organisierten sich dann in der AG Kiel. Die Gruppe machte schnell mit Aktionen auf sich aufmerksam. Im April wurden innerhalb einer Woche bei mehreren linken und alternativen Projekten in Kiel, wie z.B. der Hansastraße 48, dem Buchladen Zapata und dem besagten Wohnprojekt in der Wik, Scheiben eingeworfen. Die Nazis berichteten darüber amüsiert im Internet.

Die teilweise noch sehr jungen Mitglieder der AN unterstützten auch den Kommunalwahlkampf der NPD im Mai 2008. Zwischen dem örtlichen Kreisverband der NPD und den AN besteht ein enges Verhältnis, das Vorgehen wird abgesprochen, es gibt personelle Überschneidungen. Bekannte NPD-Mitglieder wie Peter von der Born nehmen an Aktionen der AG Kiel teil, deren Angehörige, z.B. Christoph Rüdiger, stellten sich auf der Liste der NPD zur Wahl.

Zwar sind die AN in Kiel zahlenmäßig nach wie vor recht schwach, legen aber einen für die Verhältnisse der Stadt bisher kaum gekannten Aktivismus an den Tag.

Und nicht nur Kieler Antifaschistinnen und Antifaschisten müssen sich mit dem Phänomen der »Autonomen Nationalisten« auseinandersetzen. Seit Mitte 2008 gründeten Nazis in Schles­wig-Holstein verschiedene »Aktionsgruppen«. Diese betreiben eine gemeinsame Internetseite na­mens »mein-sh.info«, auf der Links zu den Gruppen sowie zu Kreisverbänden der NPD zu fin­den sind.

Aus dem Kreis der »Aktionsgruppen« werden in jüngster Zeit nicht nur in Kiel immer wieder Angriffe auf linke und antifaschistische Menschen und Projekte begangen. In Neumünster wurde nach Informationen der örtlichen Antifaschistischen Aktion erst kürzlich ein Mitglied des »Bünd­nisses gegen Rechts« zwei Mal innerhalb weniger Stunden angegriffen. Nazis warfen nachts Fenster seines Hauses mit Steinen ein und bedrängten ihn am nächsten Tag während der Fahrt in seinem Auto. In der vorvergangenen Woche verübten bisher Unbekannte einen Brandanschlag auf das linke Zentrum »T-Stube« in Rendsburg. Antifas in der Stadt vermuten, dass Nazis der »Aktionsgruppe Rendsburg« für den Anschlag ver­antwortlich sind.

Angesichts der Vielzahl der Vorfälle haben auch die staatlichen Organe die »Autonomen Nationalis­ten« in Schleswig-Holstein zur Kenntnis genommen. So durchsuchte das Landeskriminalamt Ende April vier Wohnungen von umtriebigen Nazis in Kiel. Ihnen wird nun die »Bildung einer kriminellen Vereinigung« nach Paragraf 129 vorgeworfen. (Quelle http://jungle-world.com/artikel/2009/26/35363.html)

*Der vollständige Name ist der Redaktion bekannt.

Weitere Informationen gibt es auf www.antifa-kiel.org


Ein „wirklich deutsches Nachrichtenmagazin“?

Kiel: Zum Jahresende soll ein „wirklich deutsches Nachrichtenmagazin“ auf den Markt kommen.

Das noch namenlose Blatt soll ab Dezember erscheinen und will „die Umerziehungsmedien Spiegel, Focus und Stern herausfordern“. Treibende Kraft des Projektes, das nach der „Einheit der rechten Publizistik“ ruft, ist der rechtsextreme schleswig-holsteinische Verleger Dietmar Munier (Verlagskomplex „Lesen & Schenken GmbH“, Arndt-Verlag unter anderem). Bei einem Treffen mit Harald Neubauer, seit 1992 Mitherausgeber der Monatszeitschrift „Nation&Europa", dem ältesten rechtsextremen Sprachrohr in der Bundesrepublik, soll laut Auskunft von Munier beschlossen worden sein, die neue Zeitschrift und „Nation&Europa“ (Auflage:rund. 18 000), zu „einem einzigen schlagkräftigen deutschen Nachrichtenmagazin zusammenzuschmieden.“ Diese „Einheit der nationalen Publizistik“ solle dann „zu einem wirklich unüberhörbaren Sprachrohr in der Öffentlichkeit“ werden. Um die „Kriegskasse“ für das Projekt zu füllen, ruft Munier zu Spenden auf. Munier, einst Funktionär der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), war am 10. Januar dieses Jahres Gast beim Neujahrsempfang der sächsischen NPD-Landtagsfraktion. (Quelle: www.bnr.de)


Pinneberg: Tausende Menschen demonstrieren gegen Neonazi-Aufmarsch

In Pinneberg sind am 06. Juni 2009 nach Polizeiangaben etwa 200 Neonazis durch die Stadt gezogen. Rund 2000 Menschen demonstrierten gegen den Aufzug, die Veranstalter sprachen sogar von 4000 Teilnehmern! Die Stadt Pinneberg wollte den Aufmarsch der Rechtsextremen verbieten lassen, war damit aber am Freitag gescheitert.

Ebenfalls am 06. Juni führte der NPD-Landesverband Schleswig Holstein im Rahmen einen genehmigten Informationsstand mit abschließender Kundgebung vor dem Bahnhof in Itzehoe durch. Gegen 17 Uhr trafen nach Polizeiangaben zirka 30 Personen aus dem rechtsextremen Spektrum am Bahnhof Itzehoe ein und nahmen an der Kundgebung teil. Diese wurde um 17.30 Uhr ohne besonderen Vorkommnisse beendet.

Weitere Infos unter:

Kein Naziaufmarsch in Pinneberg


Bericht über Antira-Aktionswoche in Rendsburg

Ein Bericht ist auf Indymedia unter http://de.indymedia.org/2009/05/252136.shtml zu finden.


Naziaufmarsch am 1. Mai in Itzehoe

Erst wurden sie nur von ein paar Zivilstreifen begleitet. Am Bahnhof warteten dann mehrere Hundertschaften. Neonazis zogen unangemeldet durch Itzehoe. 40 von ihnen wurden in Gewahrsam genommen.

Rund 100 Rechte zogen durch Itzehoe

Die Reise zur Maikundgebung nach Hannover hatte die Polizei untersagt. Stattdessen statteten mehr als 100 Neonazis - die sich zuvor am "Club 88" in Neumünster getroffen hatten und zu einem Platzverbot verdonnert worden waren - der Kreisstadt Itzehoe einen Überraschungsbesuch ab. Im Anschluss an eine DGB-Veranstaltung in der Stadtmitte zog der schwarze Aufmarsch im Eiltempo an den erschrockenen Gewerkschaftern vorbei. Eine Flasche flog, eine Verdi-Fahne ging zu Bruch. Es wurden Transparente geschwungen und Parolen gegrölt. Dann war der Spuk auch schon wieder vorbei.
 
Die Polizei schien von dem Itzehoe-Besuch völlig überrascht worden zu sein. Zunächst wurden die Rechtsradikalen nur von wenigen Zivilbeamten begleitet. Als die überwiegend schwarz gekleideten und mit Kapuzen und Sonnenbrillen ausgestatteten Marschierer dann am Bahnhof eintrafen, waren die Ordnungshüter mit einem Großaufgebot präsent. Rund 150 Beamte setzten Teilnehmer des unerlaubten Aufmarsches fest - sofern diese nicht bereits mit bereitgestellten Pkw verschwunden waren. Am Ende hatten die Beamten 40 Neonazis vorläufig festgenommen. Die letzten sollen erst in der Nacht aus Polizeigewahrsam entlassen werden.

Die Steinburger DGB-Regionalsekretärin Perke Heldt äußerte sich erschüttert über "die Aggressivität und Gewaltbereitschaft, die uns entgegengeschlagen ist". Ortsvorsitzender Klaus Albrecht atmete auf, dass es in den Reihen der Gewerkschafter "keine Heißsporne gegeben hat". So herrschte für Minuten zwar eine explosive Stimmung in Itzehoe, es gab aber weiter keine Auseinandersetzungen oder gar Verletzten. (Quelle: SHZ)


Bedeutungsverlust für die NPD in Schleswig-Holstein

Der aktuelle Verfassungsschutzbericht in Schleswig-Holstein rechnet der rechtsextremen Szene 1420 Angehörige zu. Die NPD bleibt bei konstant 240 Mitgliedern, die DVU zählt 210 Mitglieder und büßte im Berichtsjahr 2008 damit 40 ein. Ungebundene Rechtsextremisten, darunter die überwiegende Masse aus dem subkulturellen Spektrum mit verstärkter Bereitschaft zu Aktionismus und Gewalt, bilden den Rest der Statistik.

Die Bedeutung der aktionistischen Kräfte hat zugenommen, die der NPD ist zurückgegangen. Innenminister Lothar Hay (SPD). „Die NPD ist kaum noch in der Lage, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen zu organisieren.“ Von 102 ins Rennen geschickten Kandidaten haben nur zwei ein Kommunalmandat errungen, obwohl die Fünf-Prozent-Hürde abgeschafft wurde. In Zahlen ausgedrückt hatten 4717 Schleswig-Holsteiner bei den Kommunalwahlen der NPD ihre Stimme gegeben. Die Partei besitzt sechs Kreisverbände, die sich aber durch unterschiedlich rege Aktivitäten auszeichnen. Genau wie bei Freien Nationalisten steht und fällt die Aktionsskala mit einzelnen Wort- und Handlungsführern. Im Verfassungsschutz werden namentlich ausdrücklich Thomas Wulff, Tobias Thiessen und Peter Borchert genannt. Wulff gehört dem NPD-Landesvorstand an und steuert offenbar Inhalte wie Taten genauso wie Thiessen, der mit der Internetplattform „Aktionsbüro Norddeutschland“ als Knotenpunkt über Ländergrenzen hinaus fungiert. Als Kopf, Organisator und Motivator bei regionalen und überregionalen Aufmärschen hat sich der frühere NPD-Landeschef Borchert gezeigt.

Es gab im Vorjahr drei Rechtsrockveranstaltungen, eine im seit zwölf Jahren bestehenden „Club 88“ in Neumünster-Gadeland, zwei im Rotlichtviertel Kiels. Dazu wurden fünf Liedermacherabende aufgelistet, zwei in Kosel (bei Eckernförde) auf dem Anwesen von Dieter Kern, zwei in Neumünster („Club 88“ und im Innenstadt-Treffpunkt „Titanic“) sowie einer in Lübeck. In Kosel traf die Szene sich unter anderem auch zu einer Sonnenwendfeier. Musikalisch traten die Rechtsrockbands „Holsteiner Wölfe“ (Raum Ratzeburg), „Das Letzte Aufgebot“, „Einherjer“ (beide Raum Lübeck) sowie die ostholsteinische Gruppe „Word Of Anger“ in Erscheinung.

Dietmar Munier hat sich mit seinem Arndt-Verlag in Martensrade (Kreis Plön) seit Jahren etabliert und seine Bandbreite sogar noch erweitert. Neben dem Bonus-Verlag, dem Orion-Heimreiter-Verlag, dem Verlag Pour Le Merite und dem Buchdienst Lesen & Schenken zeichnet er auch verantwortlich für die „Deutsche Militärzeitschrift“.

Von überregionaler Bedeutung ist ein regelmäßig aus Schleswig-Holstein heraus organisiertes Fußball-Freiluftturnier für nationale Gesinnungskräfte. Als neonazistische Rituale haben sich inzwischen auch der Gedenkmarsch für alliierte Bombenopfer in Lübeck und der Besuch des Grabes von Karl Dönitz, dem früheren Oberbefehlshaber der Reichsmarine, im Sachsenwald herausgestellt. (Quelle: www.bnr.de)

Verfassungsschutzbericht zum Download als PDF

Nachtrag: Im Verfassungsschutzbericht wird außerdem der in Burg (Dithm.) von Tim Schatowitz betriebene "Faktum Verlag" erwähnt.


Neonazi-Anwalt wirft Bauern vom Hof

Als er pleite war, ließ Bauer Klaus-Hermann Christiansen aus Ockholm seinen Hof von Jürgen Rieger ersteigern. Dann gab es Streit um die Miete. Nun wird der rechtsextreme Anwalt den Bauern wohl vom Hof jagen.

Er lässt sich nicht viel gefallen: Klaus-Hermann Christiansen (56), Bauer im Hauke-Haien-Koog im nordfriesischen Ockholm, hat bereits viele Streits hinter sich. Mit zwei Banken, mehreren Anwälten, Nachbarn und einer Telefongesellschaft hat er sich inzwischen überworfen. Doch das Leben ging weiter. Bis jetzt. Denn der Landwirt hat sich auch jemanden zum Feind gemacht, an dem er sich wohl die Zähne ausbeißen wird - Jürgen Rieger (62), Neonazi-Anwalt in Hamburg. Der NPD-Funktionär kann den Nordfriesen ab dem 1. Mai sofort von Haus und Hof jagen - per Urteil des Husumer Amtsgerichtes.
 
Bereits zum Jahrtausendwechsel hatte Rieger, der seit Jahren mit Immobiliengeschäften in Norddeutschland für Aufregung sorgt, den Hof in Ockholm aus einer Zwangsversteigerung erworben. Ein Vorgang, den die Öffentlichkeit erst acht Jahre später wahrgenommen hat - als Bauer Christiansen das Wasser bis zum Hals stand.

Auf Empfehlung des "Deutschen Rechtsbüros"

An dem Dilemma ist der Landwirt allerdings nicht ganz unschuldig: Hat er sich doch den rechtsextremen Anwalt selbst ins Haus geholt. Damals, Ende 1999, als er mit seinem Betrieb "wegen schlechter Ernten und Tierseuchen" kurz vor dem Aus stand. Darlehen habe er nicht mehr zahlen können, berichtet Christiansen. Eine erste Zwangsversteigerung Anfang der 1990er-Jahre habe der mittlerweile arbeitslose Bauer durch Landverkauf abwehren können, die zweite im Jahre 1999 nicht mehr.

Da holte er sich - auf Empfehlung des "Deutschen Rechtsbüros" - den rechtsextremen Anwalt aus Hamburg zu Hilfe. "Wir haben hier ja keine ordentlichen Anwälte, die was für einen machen", begründet dies Christiansen im Nachhinein. Politisch indes habe er "mit den Braunen" nichts gemein. Christiansen: "Ich habe immer CDU gewählt."

Den ganzen Artikel vom 30. April 2009 lesen:

Rechtsstreit : Neonazi-Anwalt wirft Bauern vom Hof


DER KRIEG GEGEN DIE JUDEN - Warum sich die globale Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet  

Der Journalist und Autor Robert Kurz über die Glorifizierung des alten “Antiimperialismus”, die auch bei der NPD und anderen Helden zu bewundern ist. Ein Auszug:

Die politischen Reaktionen auf den Krieg in Gaza zeigen, dass Israel umso weniger Freunde hat, je bedrohlicher seine militärische Lage wird. Im Verhältnis der Kräfte findet eine tektonische Verschiebung statt. Schon immer ging es im Nahen Osten nicht um einen begrenzten Streit von regionalen Interessen, sondern um einen exemplarischen und ideologisch aufgeladenen Stellvertreter-Konflikt. In der Epoche des Kalten Krieges galt die Auseinandersetzung zwischen Israel und Palästina als Paradigma für den Gegensatz von westlichem Imperialismus unter Führung der USA und einem „antiimperialistischen“ Lager, um dessen Führung die Sowjetunion und China konkurrierten.

Die Propaganda beider Seiten ignorierte dabei den Doppelcharakter des Staates Israel, der einerseits ein gewöhnlicher moderner Staat im Rahmen des Weltmarkts ist, andererseits aber eine Antwort der Juden auf die eliminatorische Ausgrenzungsideologie des europäischen und insbesondere des deutschen Antisemitismus. Israel wurde subsumiert unter eine weltpolitische Konstellation, in der es nie aufging.

Nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus und der „nationalen Befreiungsbewegungen“, die ein Programm „nachholender Entwicklung“ auf Basis des Weltmarkts formuliert hatten, veränderte sich der Charakter des Stellvertreter-Konflikts grundsätzlich. An die Stelle der säkularen Entwicklungsregimes trat im Nahen Osten und darüber hinaus der sogenannte Islamismus, der nur scheinbar als traditionelle religiöse Bewegung firmiert. Tatsächlich handelt es sich um eine postmoderne kulturalistische Krisenideologie eines Teils der längst verwestlichten Eliten in den islamischen Ländern, die das autoritäre Potential der Postmoderne repräsentieren und den gänzlich unislamischen europäischen Antisemitismus aufgesogen haben. Die am Weltmarkt gescheiterten Segmente des Kapitals in dieser Region erklärten den Krieg gegen die Juden zum exemplarischen Kampf gegen die westliche Vorherrschaft. Umgekehrt machte der westliche Krisenimperialismus mit den USA an der Spitze den Islamismus zum neuen Hauptfeind, nachdem er ihn zuvor im Kalten Krieg gepäppelt und mit Waffen versorgt hatte.

Diese neue Konstellation führte zu ideologischen Verwerfungen ungeahnten Ausmaßes. Der Neoliberalismus schien sich mit dem kapitalistischen Weltordnungskrieg gegen die „zerfallenden Staaten“ in den Krisenregionen und im Nahen Osten mit Israel zu identifizieren. Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen seither mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse. Auch dafür ist keine traditionelle Religion verantwortlich, sondern eine kulturalistisch eingefärbte Militanz des kapitalistischen Patriarchats in der Krise, die sich auf andere Weise auch im Westen bemerkbar macht. Die unheilige Allianz des „sozialistischen“ Caudillismus eines Chavez mit dem Islamismus stellt nur die weltpolitische Ratifizierung dieses ideologischen Verfalls dar, die keine emanzipatorische Perspektive hat.

Der ganze Text erschien bei Exit-Online.


Chroniken der Nazi-Aktivitäten 2008 und 2. Halbjahr 2007

Das Antifaschistische Bündnis Dithmarschen führt eine chronologische Übersicht über die Aktivitäten der Nazis in Dithmarschen. Das Bündnis veröffentlicht nun die Chroniken für das 2. Halbjahr 2007 (PDF 47 kB)  und für das Jahr 2008 (PDF 54 kB) - ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Chroniken können als PDF herunter geladen werden.

Auch die Chroniken für 2007 1. Halbjahr (PDF 64 kB), 2006 (PDF 51 kB) und 2005 (PDF 16 kB) stehen zum Download zur Verfügung.


Finanzkrise als Nährboden für Antisemitismus

Das Neue Deutschland (!) hat ein Interview mit Prof. Werner Bergmann vom Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität (TU) Berlin geführt. Darin geht es um strukturellen Antisemitismus bei der Analyse der Finanzkrise. Traditionell würden Juden seit dem Mittelalter mit dem Sektor Geld, Kreditvergabe und Handel identifiziert, zu dem sich im späten 19. Jahrhundert noch das Bild des “Börsenspekulanten” hinzugesellt habe, so Bergmann. Dies sei ein Bild, das sich bis heute erhalten habe. Umfragen zeigten, dass Juden von relativ vielen Befragten Eigenschaften wie “geldgierig” oder “geizig” zugeschrieben würden und man meine, dass ihr Einfluss in der Geschäftswelt und auf den Finanzmärkten zu groß sei.

Die Ereignisse betreffen das kapitalistische System als Ganzes

Im Folgenden geht Bergmann auf den Unterschied zwischen “raffendem” und “schaffendem” Kapital ein: Im Moment werde zum Beispiel versucht, den Kreis der Schuldigen für die Finanzkrise einzugrenzen. “Statt zu sagen, die Ereignisse betreffen das kapitalistische System als Ganzes, konzentriert man sich auf ein paar Banker und Spekulanten, denen bestimmte Eigenschaften wie “geldgierig” oder “können den Hals nicht voll kriegen” zugeschrieben werden”, so Bergmann. “Eigenschaften, die auch zum Kern antisemitischen Denkens gehören und die der Debatte, sicher nicht mehrheitlich, aber in einigen Fällen, eine antijüdische Richtung geben könnten. Ich denke, dass momentan die Kritik an den USA dominiert. Allerdings ist der Weg vom Antiamerikanismus zum Antisemitismus oft nicht weit. Besonders ausgeprägt sind solche Vorstellungen von einer jüdisch-amerikanischen Allianz, die markt- und weltbeherrschend agiert, natürlich im rechtsextremen Lager. Aber man findet sie durchaus auch darüber hinaus.”

Rechtsextremisten sprächen nun vom “judäo-amerikanischen Weltfinanz, die die Globalisierung steuert”. Bergmann betonte, er habe den Eindruck, dass “das in den letzten Jahren durch die weit verbreiteten Vorbehalte gegen bestimmte Globalisierungsphänomene wieder ein Thema geworden ist.”

Schmalspur-Kapitalismuskritik

Die anti-hegemonialen Eigenschaften des Antisemitismus lassen diese uralten Vorurteile auch heute noch für so einige Leute attraktiv erscheinen - und dies nicht nur bei Rechtsextremisten. Zudem helfen der Antisemitismus und Verschwörungstheorien, komplexe wirtschaftliche und gesellschaftliche Phänomene zu erklären. So ist auch zu erklären, dass Irans Präsident Ahmadinedschad mit seinem Antisemitismus in einigen Staaten Südamerikas punkten kann.

Ein Beispiel für diese Schmalspur-Kapitalismuskritik in Deutschland: die eigenwilligen Analysen des Autoren Jürgen Elsässer. Die rechte Wochenzeitung `Junge Freiheit` berichtete im Oktober 2007: Am 10. Oktober habe Elsässer im Berliner Hilton vor der Preußengesellschaft, in deren Beirat Fürst Ferdinand von Bismarck sitzt, über den `Angriff der Heuschrecken, Finanzkollaps, Zerstörung der Nation und globaler Krieg` gesprochen. Weiter heißt es: `Angesichts der auch in seinem Buch (JF 15/07) genannten Gefahren warb der linksnationale Elsässer bei den Altkonservativen für ein Bündnis von “Lafontaine bis Gauweiler” - das sei wichtiger als Gender Mainstreaming und der Einsatz für die “Transsexuellen in der Mongolei”. […] Nur die Linke und Teile der CSU (”Habe gewisse Sympathien für Stoiber”) verteidigten den “rheinischen Kapitalismus” noch. Ähnliches gelte für die immer stärker US-hörige deutsche Außenpolitik.`

Die folgenden Sätze werden beispielsweise den NPD-Leuten um Jürgen Gansel viel Freude bereiten, die JF schreibt über Elsässers Ideen: `Als “Linker von altem Schrot und Korn” forderte er angesichts der aggressiven US-Finanzindustrie eine “Re-Nationalisierung”: um die “heimischen Arbeitskräfte” zu schützen und die demokratische “Staatskontrolle über Schlüsselindustrien” wiederzuerlangen - aber nicht im “alten bolschewistischen Sinne”, fügte er hinzu.` Und weiter: `Das deutsche Großkapital sei heute eine relativ friedliche Einrichtung, weil es mit Irak und Iran lieber Handel treiben möchte, anstatt Krieg zu führen. Es bremst die Kriegspläne der USA und sollte unterstützt werden`, so Elsässer einem Augenzeugenbericht zufolge.  (Quelle: NPD-Blog)

http://www.neues-deutschland.de/artikel/137055.naehrboden-fuer-antisemitische-vorurteile.html


Rassismus in Deutschland: Bundesregierung nimmt Stellung zu UN-Vorwürfen

Der UN-Ausschuss für die Beseitigung jeder Form des Rassismus hatte die unzureichenden Maßnahmen der Bundesregierung gegen Rassismus kritisiert. Die Bundesrepublik Deutschland habe Verpflichtungen aus der “Internationalen Konvention zur Beseitigung jeder Form von Rassismus” bislang nicht erfüllt, so die Kritik des Anti-Rassismus-Ausschusses (CERD) am 15. August 2008 bei der Sitzung in Genf.

Der UN-Ausschuss formulierte in seinem Länderbericht zu der Bundesrepublik Deutschland eine Reihe von konkreten Kritikpunkten, verbunden mit der Erwartung an die Bundesregierung, auf diese Kritik zu reagieren, hieß es in einer Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. In ihrer Antwort schreibt die Regierung:

Die Bundesregierung nimmt die nach Vorstellung des 16. bis 18. Staatenberichts der Bundesrepublik Deutschland über Maßnahmen zur Durchführung des Internationalen Übereinkommens vom 7. März 1966 zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (ICERD) geäußerten Empfehlungen und die Kritik des zuständigen VN-Ausschusses sehr ernst. Der Abschlussbericht gibt Anlass zur genauen Bewertung und sorgfältigen Prüfung, ob innerstaatliche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Die von dem Ausschuss in seinem Abschlussbericht aufgeworfenen Fragen werden von der Bundesregierung innerhalb der vom Ausschuss gesetzten Fristen beantwortet werden.

Die Bekämpfungsämtlicher Formen rassistischer Diskriminierung und rassistischer Vorurteile sei für das deutsche Recht und die deutsche Politik von herausragender Bedeutung, heißt es weiter.

Wie will sich Deutschland als “nicht-multi-ethnischer Staat” definieren

UN-Experten hatten der Bundesregierung mangelhafte Maßnahmen im Kampf gegen Rassismus vorgeworfen. Anhaltende rechtsextremistische und fremdenfeindliche Übergriffe zählten zu den Hauptbedenken der Experten, hieß es in einer Mitteilung des UN-Komitees zur Beseitigung von Rassismus (CERD) in Genf. Es sei zudem unklar, wie Deutschland sich als “nicht-multi-ethnischer Staat” selbst definieren wolle, hatte der CERD-Berichterstatter für Deutschland, Patrick Thornberry, während der mehrtägigen Beratungen betont. Demnach hat ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland einen Migranten-Hintergrund, rund acht Prozent seien Ausländer ohne deutschen Pass. Das Komitee wollte wissen, inwieweit diese Bevölkerungsgruppen in die öffentlichen Dienste integriert seien, etwa in die Polizei.

Die UN-Experten hatten untersucht, inwieweit Deutschland seinen Verpflichtungen aus der Internationalen Konvention zur Abschaffung von Rassismus nachkommt. Als einer von 173 Mitgliedstaaten des Abkommens ist Deutschland verpflichtet, regelmäßige Berichte vorzulegen. Eine deutsche Delegation, darunter Vertreter aus den Ministerien für Justiz, Inneres und Familien sowie aus dem Auswärtigen Amt, hatte in Genf nun auf Fragen der UN-Experten geantwortet. Auch der Sprachgebrauch im deutschen Recht und bei Behörden war ins Visier der Anti-Rassismus-Experten geraten. Zudem seien die Statistiken, die Deutschland dem Gremium vorgelegt habe, mangelhaft. Die Untersuchung seien nicht nach international gebräuchlichen ethnischen Kategorien aufgeschlüsselt, kritisierte das UN-Komitee. (Quelle: NPD-Blog)


Plakat "Keine Toleranz für Neonazis in Dithmarschen"

Das Antifaschistische Bündnis Dithmarschen hat bei der Maikundgebung des DGB das Plakat unter dem Titel "Keine Toleranz für Neonazis in Dithmarschen und anderswo" der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Plakataktion wird von 23 Organisationen unterstützt. Neben Gewerkschaften, Frauenorganisationen, der Kirche, Unternehmen und der Stiftung gegen Gewalt und Extremismus auch von sieben dithmarscher Parteien. Hier fehlen nur CDU und FDP.

Außerdem wurde das Plakat von fast 200 Personen unterzeichnet, darunter der DGB-Regionsvorsitzende Karsten Wessels, die Kreisvorsitzenden von UWD, SPD und Grünen, die SPD-Abgeordneten Jörn Thießen und Detlef Buder, Propst Henning Kiene, die Heider Gleichstellungsbeauftragte Gabriela Petersen und Landrat Jörn Klimant.

Wer die Plakataktion noch unterstützen oder das Plakat haben möchte, kann uns dies per E-Mail (ggf. mit Funktion) an die Adresse mail(at)antifa-dithmarschen.tk mitteilen. Die Namen weiterer UnterzeichnerInnen werden auf dieser Homepage veröffentlicht.

Bisherige UnterzeichnerInnen
Plakat als PDF-Datei


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www.antifa-dithmarschen.tk